Antisemitismus und die AfD
Buchvorstellung
Für die antinationale und spezifisch antideutsche Linke war der Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober) lange Zeit ein willkommener Anlass zur Übung in grundsätzlicher Staatskritik einerseits, Kritik der spezifisch deutschen Zustände andererseits. Gegen die antideutsche Linke wurde dabei schon frühzeitig der Vorwurf erhoben, sie habe sich von der Staatskritik zur Staatsaffirmation bewegt. So viel Gerücht und Ressentiment in der gehässigen Rede von den ‚Prodeutschen‘ auch steckt, ließ sich immerhin beobachten, dass antideutsche Kritik – die vor eineinhalb Jahrzehnten noch einmal rückblickend fragte, wie scheiße Deutschland auf einer Skala von 1 bis 10 sei – in der Zwischenzeit mehr oder weniger erfolgreich in die Zivilgesellschaft und die staatlich alimentierte Antisemitismusforschung diffundiert ist.
Dies kann als bescheidener – und inzwischen wieder arg bedrohter – Fortschritt im pragmatisch-realpolitischen Kampf gegen Antisemitismus gesehen werden, doch fand die zivilgesellschaftliche Rezeption antideutscher Theorieversatzstücke eben im Windschatten der von Bundeskanzlerin Merkel proklamierten deutschen Staatsraison statt, von deren erinnerungspolitischen Hässlichkeiten und Verdrängungsleistungen dieser zeitweilige Erfolg nicht zu trennen ist. Der Weg von der lesekreisfixierten Antisemitismuskritik zur angesehenen Antisemitismusforschung gelang nicht ohne Anpassungen an die staatsoffizielle Antidiskriminierungsagenda.
Wenn indes dem heutigen Bundeskanzler Merz in einem seltenen Anflug von Ehrlichkeit rausrutscht, dass die israelischen Verteidigungsstreitkräfte im Kampf gegen die Todfeinde des jüdischen Staates die „Drecksarbeit für uns alle“ erledigen würden, drängt sich die Frage auf, worin nach deutschem Selbstverständnis der weniger unsaubere eigene Beitrag zur „Sicherheit Israels“ (Merkel) besteht. Jedenfalls nicht etwa in der kontinuierlichen Ausweitung der Waffenlieferungen an Israel oder der diplomatischen Isolation seiner Feinde, sondern in jeder Menge mahnender Worte zur allseitigen Einhaltung des Völkerrechts, sprich: in der ideologischen Begünstigung des Antizionismus.
Die Diskussionsveranstaltung wird sich also pünktlich zum Nationalfeiertag einerseits der Frage widmen, was es mit dieser sagenumwobenen deutschen Staatsraison tatsächlich auf sich hat, und andererseits beleuchten, wie ebenjene auf die Antisemitismuskritik der seriös gewordenen, einstigen Ideologiekritik abfärbt.
Enrico Pfau studierte Philosophie, Soziologie und Politikwissenschaften und promovierte zum Begriff der verwalteten Welt in der Kritischen Theorie.
Jan Rickermann, M. A., lebt in Bremen und hat in Osnabrück Sozialwissenschaften und in Oldenburg Philosophie studiert. Seine Forschungsschwerpunkte sind politische Philosophie und Ideengeschichte. Publikationen u. a. Die „letzte Sinnlosigkeit“. Zur Kritik des Kommenden Politischen Existentialismus bei Giorgio Agamben, in: Zeitschrift für kritische Sozialtheorie und Philosophie 5(2) 2018; „Wenn wir dich eliminieren, verlieren wir nichts“. Zur Gesellschaftslehre des Kommunismus der Roten Khmer, in: sans phrase. Zeitschrift für Ideologiekritik 9 (2016).
Michael Heidemann studierte Philosophie und Politikwissenschaft in Münster und Oldenburg, arbeitet derzeit als freiberuflicher Bildungsreferent und Lehrbeauftragter. Er ist Mitarbeiter im Peter-Bulthaup-Archiv und Mitglied der Gesellschaft für kritische Bildung. Noch stets ist er auf der Suche nach einem Mäzen, in dessen Gunst er seinen Beschäftigungen nachgehen kann.
Uli Krug, geboren 1962 in München, studierte Soziologie, Wissenschafts- und Sozialgeschichte. Er lebt in Berlin als Lektor und freier Autor und gehört zum Herausgeberkreis der Wochenzeitschrift Jungle World. Er publiziert regelmäßig zu Themen der populären Kultur und Zeitgeschichte.
Buchvorstellung
Geschichte und Gegenwart des Judenhasses
Bildungsurlaub
Podiumsgespräch
– Antisemitismuskritik nach dem 7. Oktober
Podiumsdiskussion
Buchvorstellung
Philosophische Modelle transzendierender Bildung bei Fichte, Hegel, Adorno und Heydorn
Buchvorstellung
Homosexuellenhass in der AfD und die Irrtümer ihrer identitätspolitischen Kritiker
Vortrag
Arabisch-palästinensische Kooperation mit dem Zionismus 1917-1948
Buchvorstellung
Arabisch-palästinensische Kooperation mit dem Zionismus 1917-1948
Buchvorstellung
(1870 – 1950)
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90 Jahre Spanischer Bürgerkrieg
Vortrag
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Der „progressive“ Angriff auf Israel, Judentum und Holocausterinnerung
Buchvorstellung
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