Keine Einzeltäter
Misogynie und radikalisierte Männlichkeit
Vortrag
Im Vortrag wird das Verhältnis der Alternative für Deutschland (AfD) zur Homosexualität analysiert, das mit den üblicherweise vorgetragenen Vorwürfen, es handele sich um eine homophobe und minderheitenfeindliche Partei, nicht hinreichend erfasst ist. Die sich wiederholenden, explizit homosexuellenfeindlichen Ausfälle von AfD-Funktionären und deren ausbleibende Aufarbeitung dürfen als kontraproduktiv für die Erfolge einer neu-rechten Partei gelten, die sich der gesellschaftlich breit akzeptierten Forderung nach Gleichstellung von sogenannten Minderheiten nicht vollständig entziehen kann und sich deshalb nicht selten als besonders homofreundlich geriert. Dabei wird allerdings die Besonderheit sexueller Minderheiten stets ins Feld geführt, um zugleich deren Emanzipation in die Subkultur zu verbannen und ihre ‚Übererfüllung‘ in rechtlicher Gleichstellung und gesellschaftlicher Akzeptanz zu verhindern.
Vor diesem Hintergrund wird auch zu diskutieren sein, inwieweit sich queer-linke Identitätspolitik als untauglich für die adäquate Kritik der Neuen Rechten erweist. Bei aller gesellschaftlich-allgemeinen Konstitution der Individuen ist das sexuelle Begehren immer auch Ausdruck des Nicht-Identischen der genießenden und leidenden Menschen und muss so jeder identitätspolitischen Gemeinschaftsstiftung, gleich ob von links und von rechts, als Störfaktor erscheinen. Deshalb gerät auch im queeren Aktivismus letztlich der promiske und untreue, kosmopolitische und heimatlose, ungebundene und verantwortungslose, privilegierte und gesellschaftlich arrivierte Homosexuelle zum Feindbild, nämlich als Verkörperung einer dekadenten westlichen Lebensweise.
Am Ende stellen Neue Rechte und queere Aktivisten bei allen gegensätzlichen politischen Forderungen dieser Lebensweise das Kollektiv entgegen – wahlweise das Volk oder den Islam –, dem sich die Homosexuellen als Homosexuelle zu unterwerfen haben. Somit hat die Emanzipation Andersbegehrender die Kritik jeder Form von Identitätspolitik zur Voraussetzung.
Steffen Stolzenberger studierte Philosophie und Anglistik in Oldenburg und war als wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten in Braunschweig und Frankfurt tätig. Die letzten vier Jahre arbeitete er als Gymnasiallehrer in Frankfurt und zwischendurch war er in einem Unterstützungsprojekt für LGBT-Geflüchtete in Hannover aktiv. Jetzt macht er von allem eine Pause, um in Berlin eine Wohnung zu finden und an seiner Dissertation zum herrschaftlichen Stellenwert der Kompetenzorientierung als bildungspolitisches Paradigma weiterzuarbeiten.
Misogynie und radikalisierte Männlichkeit
Vortrag
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Vortrag
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