„… damit der Mensch lernt, dass er nur ein Instrument ist und nicht selbst Schöpfer sein kann“

Elemente der Gegenaufklärung in der Souveränitätslehre Joseph de Maistres

Die bürgerliche Aufklärung ist seit Anbeginn von einer Gegenaufklärung begleitet. Dem Ideal des vernünftigen und selbstbestimmten bürgerlichen Individuums stellen die gegenaufklärerischen Autoren traditionelle ‚Bindungen‘ wie Familie, Sippe, die feudale Ständeordnung und den Glauben an das ewige, ungeschriebene Gesetz der Herrschaft entgegen. Menschliche Freiheit soll demnach nicht sein. Gleich in mehreren Vorlesungen betont Theodor W. Adorno den eigenartig anachronistischen Charakter restaurativer Ideologien. Traditionalistische Ordnungen würden genau dann beschworen, wenn sie längst nicht mehr substantiell seien. In diesem Zusammenhang erwähnt er gleich mehrfach den Namen des savoyischen Diplomaten und katholischen Gegenaufklärers Joseph de Maistre (1753-1821), „der ja überhaupt eine sehr merkwürdige Figur ist, mit der sich zu beschäftigen für die Philosophie weiß Gott sich verlohnt." Doch wieso sollte sich die Beschäftigung mit einem Autor verlohnen, dessen Denken hegelianisch als eine längst abgelegte Gestalt des Geistes, als bereits überwundener Aberglaube trüber Jahrhunderte bezeichnet werden könnte? Die Aktualität eines Autors wie de Maistre erschließt sich erst vor dem Hintergrund der Dialektik der Aufklärung, die sich real vollzog und die Idee eines linearen Fortschritts radikal in Frage stellt.

(2020)


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