Schneeglöckchen blühn im September
D 1973, Regie: Christian Ziewer, Drehbuch: Klaus Wiese, 108 Min.
Filmvorführung mit zeithistorischer Einführung durch Michael Heidemann und anschließender Diskussion
Der junge Akkordarbeiter Ed (Wolfgang Liere) und der Vertrauensmann Hannes (Claus Eberth) setzen sich gemeinsam mit ihren Kollegen in einem metallverarbeitenden Betrieb gegen Lohndrückerei, die Verlagerung von Produktion und drohenden Arbeitsplatzverlust zur Wehr. Dabei zeichnet der Film keine stolzen Arbeiterhelden, sondern Menschen voller Fehler und Ängste, mit Hobbies und Familienleben. Dass schließlich doch Solidarität unter ihnen entsteht, ist fast so ein Wunder, wie Schneeglöckchen, die im September blühen.
Der Film ist Teil einer Arbeiterfilm-Trilogie, die Grimme-Preisträger Christian Ziewer gemeinsam mit Klaus Wiese in den 1970er Jahren realisierte. Sie knüpften damit an die Tradition des proletarischen Films der 1920/30er Jahre an, zeichnen allerdings keine stolzen Arbeiterhelden, sondern in sich zerrissene Charaktere, die mit Widersprüchen konfrontiert sind. Ziel des von den beiden Filmschaffenden mitgegründeten Verleihs Basis-Film ist es „1. die Arbeits- und Lebensverhältnisse der Lohnabhängigen zu beschreiben und 2. sich im sozialen Kampf auf Seiten der Lohnabhängigen zu engagieren.“ Die mit Laiendarstellern produzierten Filme wurden als Bildungsmaterial zum Thema Streik eingesetzt und – heute kaum noch vorstellbar – u.a. auf Betriebsversammlungen diskutiert.
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