Kritik des Postmarxismus
Buchvorstellung zu "Vom Politischen zur Kontingenz des Sozialen. Eine historisierende Kritik des Postmarxismus"
Buchvorstellung
Postmarxismus galt als linker Zeitgeist der späten 1980er und 1990er Jahre. Zugleich ist Postmarxismus einflussreiche Sozial- und Politiktheorie, die heute „Postfundamentalismus“ heißt und die der gegenwärtig populären „radikalen Demokratie“ ihren theoretischen Unterbau liefert. Theorien radikaler Demokratie fußen auf dem Gedanken, dass soziale, politische, kulturelle und ökonomische Strukturen und Institutionen durch diskursiv vermittelte Kämpfe hervorgebracht und verteidigt werden. Praktisch wird radikaler Demokratie zufolge nur eine gegenhegemoniale Allianz aller progressiven und marginalisierten Kräfte erfolgreich im antikapitalistischen Kampf sein, die sich unter einem inhaltlich möglichst anschlussfähigen, daher möglichst unbestimmten „Narrativ“ vereinen lassen, mit dem es sich identifizieren lässt.
Postmarxist:innen wie Chantal Mouffe, Ernesto Laclau oder Jacques Rancière haben Praxis und Theorie radikaler Demokratie stets damit gerechtfertigt, dass soziale Beziehungen und Verhältnisse auf „radikale“ oder „reine“ Weise kontingent sind. Gesellschaft ließe sich nicht rational erfassen, sondern ist jeweils das Produkt ideologischer Kämpfe, weshalb von Gesellschaft zu reden, selbst schon Problem ist. Denn die Kontingenz verweise laut Postmarxismus darauf, dass politische Konflikte, Kämpfe, Feindkonstruktionen, Ausschreitungen und Widerstände im Wesentlichen soziale Verhältnisse prägen und konstruieren. Damit sei das „Politische“ der Modus des kontingenten, sozialen Seins.
Bastian Mokosch hat hingegen in seinem Buch „Vom Politischen zur Kontingenz des Sozialen. Eine historisierende Kritik des Postmarxismus“ aufgezeigt, dass die postmarxistische Kontingenzdiagnose das Resultat einer durch und durch politisch-aktivistischen Perspektive auf Soziales und Gesellschaft darstellt, die sich aus den politischen Erfahrungen und Ideologien der Autor:innen speist. Nicht das Politische wird von Postmarxist:innen aus der historischen und sozialen Kontingenz der Verhältnisse geschlussfolgert. Es ist die Fetischisierung antagonistischer Sozialbeziehungen, die die Popularität eines linken Begriffs des Politischen bedingt, der erst im Nachhinein sozialtheoretisch durch die „Kontingenz des Sozialen“ gerechtfertigt wird. Die postmarxistische Kontingenz ist Mittel zur aktivistischen Rechtfertigung des eigenen, Politik fetischisierenden Verhältnisses zur kapitalistischen Gesellschaft.
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