Rezension im Archiv für kritische Gesellschaftstheorie
Dass die Politikwissenschaften in Deutschland schon mal mehr waren als nur Politikberatung, entdeckt man meistens nur anhand von Neuauflagen oder neu zusammengestellten Sammelbänden längst vergriffener Texte. Die Autoren dieser Texte sind heute ebenfalls fast vollständig vergessen und kommen im Universitätsbetrieb überhaupt nicht mehr vor. Dies trifft auf Johannes Agnoli zu, der seine Position „von der kritischen Politologie zur Kritik der Politik“ radikalisierte und ebenso auf Christian Riechers, um dessen Schriften es hier gehen soll. Riechers lehrte von 1971 bis zu seinem Tod 1993 am Seminar für die Wissenschaft von der Politik an der Technischen Universität Hannover. Ab 1973 war er die treibende Kraft des „Projekts Arbeiterbewegung in Hannover“, das hauptsächlich in studentischer Selbstorganisation die Geschichte der Arbeiterbewegung in der Region erforschte. Abgesehen von seiner Dissertation hat er nie ein weiteres Buch veröffentlicht. Er war, wie der Herausgeber Felix Klopotek schreibt, „ein Vielleser, Vielschreiber – aber ein Wenigpublizierer“. 53 Texte dieses Vielschreibers hat Klopotek nun auf 575 Seiten in diesem Sammelband, der als Band 1 der lobenswerten Reihe „Dissidenten der Arbeiterbewegung“ erschienen ist, zusammengestellt, eingeleitet und kommentiert.
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