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Muster der Dämonisierung

Sowjetischer verschwörungstheoretischer Antizionismus im gegenwärtigen linken Diskurs

Der antizionistische Diskurs der zeitgenössischen Linken reproduziert mit erstaunlicher Zuverlässigkeit einige der zentralen Tropen der sowjetischen antizionistischen Propaganda, die Israel und den Zionismus dämonisierte. Der vorliegende Artikel untersucht den Ursprung dieser Tropen, beleuchtet die Biografien der rechten sowjetischen Ideologen, die sie entwickelt haben, und geht den Mechanismen nach, vermittels derer sie den Westen erreichten. Der Artikel kommt zu dem Schluss, dass diese Tropen untrennbar mit antisemitischen Verschwörungstheorien verbunden sind und den Keim für antijüdische Gewalt in sich tragen, den wir auf eigene Gefahr ignorieren.


Die UN-Weltkonferenz gegen Rassismus in Durban 2001 führte eindrücklich vor Augen, mit welcher Leichtigkeit sich vermeintlich progressiver Antizionismus in Entmenschlichung von Juden verwandeln kann. Selbsternannte Antirassisten – darunter die internationalen Nichtregierungsorganisationen Human Rights Watch und Amnesty International – sahen in Durban tatenlos zu, wie jüdische Teilnehmer drangsaliert und am Reden gehindert wurden. Plakate an Ständen zeigten Juden mit Hakennasen und blutigen Händen und setzten den Zionismus mit dem Nationalsozialismus gleich.[1] Es wurden die Protokolle der Weisen von Zion verteilt, zusammen mit Flyern, die Hitlers Konterfei zeigten und mit der Überschrift „Was wäre, wenn ich gewonnen hätte?“ versehen waren.[2] Die Sicherheitslage verschärfte sich zunehmend und gefährdete die körperliche Unversehrtheit der jüdischen Teilnehmer. Was mit einer Dämonisierung Israels begann, entwickelte sich schnell zu einer Dämonisierung der „Juden der ganzen Welt“, die als „Komplizen dieses bösartigen Regimes“ dargestellt wurden. Am Ende der Konferenz nahm die Dämonisierung eine persönliche Wendung, als Menschenrechtsaktivisten „ihren jüdischen Kollegen keinen Respekt mehr entgegenbringen konnten“: Ihr Jüdischsein „beschämte die antirassistische Sache.“[3]

Durban mag ein extremes Beispiel dafür gewesen sein, wie Juden in einem scheinbar linken Umfeld antisemitischer Dämonisierung ausgesetzt sind, doch es stellte keine Ausnahme dar. Mit beunruhigender Regelmäßigkeit überschreiten Progressive die vermeintlich klare Grenze, die ihrer Meinung nach Antizionismus von Antisemitismus trennt. Vom antisemitischen Skandal, der die nationale Organisation Women’s March zerstörte;[4] über Jeremy Corbyns Labour Party, die von der britischen Gleichstellungs- und Menschenrechtskommission wegen Antisemitismus und „politischer Einmischung in Beschwerden über Antisemitismus“ verurteilt wurde;[5] die Kongressabgeordnete Ilhan Omar, die andeutete, amerikanische Juden besäßen eine doppelte Loyalität[6] und hätten sich politischen Einfluss erkauft,[7] sowie dass Israel die Welt „hypnotisiert“ hätte, damit sie seine „Bösartigkeit“ nicht sehe;[8] eine Klimaschutzgruppe, die von den Organisatoren einer Wahlkampfveranstaltung in Washington forderte, jüdische Gruppen von der Veranstaltung auszuschließen, weil sie „Zionisten“ seien;[9] bis hin zu der prominenten muslimisch-amerikanischen Wortführerin Zahra Biloo, die das gesamte amerikanische Judentum – von der Anti-Defamation League über Hillel bis hin zu „zionistischen Synagogen“ – zu Feinden der amerikanischen Muslime erklärte:[10] Fälle von progressivem Antisemitismus sind zu einem festen Bestandteil der jüdischen Erfahrung in den Vereinigten Staaten, Großbritannien und andernorts im Westen geworden.

Wenn die Grenze zwischen Antizionismus und Antisemitismus so klar ist, wie die Linke beteuert, warum überschreiten dann einige ihrer prominentesten Aktivisten, Politiker und Intellektuellen diese Grenze so häufig?

Sie tun dies, so das zentrale Argument dieses Artikels, weil die Form des Antizionismus, für die sie sich entschieden haben, tatsächlich auf antisemitischen Verschwörungstheorien beruht. Obwohl eine nicht-antisemitische Kritik an Israel und dem Zionismus möglich ist und sich unzählige Menschen, darunter Israelis und die jüdische Diaspora, täglich dieser Kritik widmen, haben zunehmend an Einfluss gewinnende Strömungen der Linken sich für eine Weltanschauung, eine Erklärungslogik und rhetorische Mittel entschieden, die nicht nur den tödlichen Tropen der Protokolle der Weisen von Zion und der nationalsozialistischen Ideologie ähneln, sondern in ihnen verwurzelt sind. Es handelt sich um eine Variante des Antizionismus, die von der UdSSR entwickelt und mittels einer massiven internationalen Propagandakampagne zwischen 1967 und etwa 1988 in den globalen Diskurs der radikalen Linken eingespeist wurde.[11]

Diese Kampagne präsentierte den Zionismus in dämonisierender, verschwörungsmythologischer Weise und brachte Israel mit den größten Übeln der Menschheit in Verbindung, darunter Rassismus, Siedlerkolonialismus, Imperialismus, Faschismus, Nationalsozialismus und Apartheid. Sie behauptete, Zionisten beherrschten Finanzen, Politik und Medien weltweit, erfand immer wieder ritualmordähnliche Geschichten über Israelis und erklärte, Zionisten hätten mit den Nazis kollaboriert und seien mitverantwortlich für den Holocaust gewesen. Sie behauptete weiter, Zionisten schürten Antisemitismus, seien selbst antisemitisch und beschwerten sich nur über Antisemitismus, um die Linke zu diskreditieren. Sie kehrte den Holocaust um, stellte Israelis als Nazis dar und griff zur Neuauflage uralter tödlicher Fantasien, die sie mithilfe rechtsextremer Verschwörungstheorien – darunter solcher, die von den Nazis in arabischen Staaten verbreitet worden waren – für die globale Linke neu erfand. Wie wir in diesem Artikel sehen werden, vertraten die führenden Ideologen dieser Kampagne persönlich antisemitische Ansichten.

Die Aneignung dieser Tropen seitens der Linken begann in den 1970er Jahren. Michael Billig, ein Experte für Verschwörungstheorien, beobachtete, dass die antizionistische radikale Linke in Großbritannien Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre offen antisemitische Tropen einsetzte, und stellte fest, dass insbesondere jene, die den Zionismus mit dem Nationalsozialismus gleichsetzte, sowjetischen Ursprungs war. Tatsächlich reproduzierten alle von ihm zitierten antizionistischen Tropen, derer sich die britische Linke bediente, Elemente des sowjetischen antizionistischen Verschwörungsdiskurses.[12] Ein weiterer Forscher auf dem Gebiet der Verschwörungstheorien, Jovan Byford, stellte fest, dass in den 1970er und 1980er Jahren „die britische und kontinentale extreme Linke die Politik im Nahen Osten fast ausschließlich durch die Brille des sowjetischen Antizionismus betrachtete.“ Er wertet dies als Verschwörungsglauben und betont, dass sowjetische antizionistische Motive bis heute sowohl „in der antiisraelischen Propaganda im Nahen Osten“ als auch – in etwas abgeschwächter Form – „im Diskurs eines Teils der zeitgenössischen liberalen und linken Intelligenz“ fortbestehen.[13]

Die vielleicht schärfste Kritik am linken Antisemitismus kam damals von einem überzeugten britischen Sozialisten, Steve Cohen. Cohen war kein Zionist. Als Israel 1982 in den Libanon einmarschierte, habe er sich hingesetzt, um eine Verurteilung zu schreiben, „die linke Presse als Quellenmaterial herangezogen – und war entsetzt über das, was ich las“.[14] 1984 veröffentlichte er sein einflussreiches Buch That’s Funny, You Don’t Look Antisemitic, in dem er den verschwörungstheoretischen antisemitischen Diskurs seiner linken Genossen, der sich als Kritik an Israel tarnt, analysierte. Unter anderem verwies er auf die Ähnlichkeit zwischen der antizionistischen Rhetorik der britischen Linken und der, die zu dieser Zeit von der UdSSR propagiert wurde.[15] In jüngerer Zeit hat Daniel Randall, ebenfalls ein britischer Sozialist, eine detaillierte Analyse vorgelegt, in der er den gegenwärtigen antisemitischen Antizionismus der extremen Linken auf die antizionistischen Kampagnen der Sowjetunion zurückführt und einen eindringlichen Appell zum Verzicht auf dieses Erbe ausspricht.[16]

Was die Gegenwart von den 1970er und 1980er Jahren unterscheidet, ist, dass der sowjetische Verschwörungsantizionismus kein randständiges, linksextremes Problem mehr ist, sondern zunehmend in den Mainstream vordringt. Wie die folgende Geschichte zeigt, kann die Gefahr dieser Entwicklung kaum überschätzt werden. Sie birgt den Keim für antijüdische Diskriminierung und Gewalt – und dieser Keim trägt bereits Früchte. Während der Konfrontation zwischen Israel und der Hamas im Mai 2021 wurden Juden in den Straßen amerikanischer und europäischer Städte unter dem Jubel und der Ermutigung prominenter Persönlichkeiten, deren Followerzahl in den sozialen Medien die Zahl der jüdischen Weltbevölkerung übersteigt, attackiert, während Alexandria Ocasio-Cortez, Rashida Tlaib und andere Stars der progressiven Politik im US-Kongress Verschwörungstheorien und tödliche Fantasien verbreiteten.[17]

In diesem Artikel untersuche ich die ideologischen Wurzeln der verschwörungstheoretischen, antizionistischen Rhetorik sowjetischer Prägung, die derzeit den amerikanischen liberalen Mainstream erobert. Ich werde mich mit dem Hintergrund der Personen befassen, die diese Rhetorik entwickelten, sowie mit der Ideologie, die sie dabei leitete. Außerdem werde ich die Mechanismen beleuchten, mit deren Hilfe die UdSSR ihren verschwörungstheoretischen Antizionismus an die globale Linke weitervermittelte. Schließlich werde ich darauf eingehen, wie diese Ideologie die postsowjetische Generation russischer Neonazis geprägt hat, die zu einem wichtigen Teil der transnationalen extremistischen Bewegung avanciert ist. Abschließend werde ich die Folgen betrachten, die sich für die heutige Linke ergeben, wenn sie sich zur Erbin und Bannerträgerin dieser Tradition aufschwingt.

Der Pariser Prozess

Am 24. April 1973 erhob ein Pariser Gericht Anklage „wegen Anstiftung zu Rassenhass und Gewalt“ gegen den dreiundvierzigjährigen Robert Legagneux, einen hochrangigen Funktionär der Kommunistischen Partei Frankreichs und Mitarbeiter der sowjetischen Botschaft, der für die französischsprachige Wochenzeitschrift U.R.S.S. verantwortlich war.[18] Ausgangspunkt des Falles war die Veröffentlichung eines Artikels mit dem Titel „Die Schule des Obskurantismus“, der ursprünglich von der sowjetischen Nachrichtenagentur Nowosti publiziert worden war und im September 1972 in U.R.S.S. erschien. Jacob Kaplan, der Großrabbiner von Frankreich, der die Nazi-Besatzung überlebt und sich gegen die schlechte Behandlung der Juden durch die Vichy-Regierung ausgesprochen hatte,[19] sagte vor Gericht aus, der Artikel sei „die brutalste antisemitische Äußerung, die seit dem Ende des Nationalsozialismus in Frankreich veröffentlicht worden“ ist.

Inhaltlich und rhetorisch war der Artikel ein klassisches Beispiel für die antizionistische Verleumdungsliteratur, die nach dem Sechstagekrieg in der UdSSR aufgekommen war. Er begann mit einer Parallele zwischen dem Massaker der paramilitärischen Truppen von Irgun und Lehi in Deir Yassin im Jahr 1948 und dem Massaker des amerikanischen Militärs an vietnamesischen Zivilisten in Song Mi 1968 – eine irreführende Analogie, die wenig zur Aufklärung beitrug, aber umso mehr zur Empörung.[20] Anschließend setzte er Israel mit dem nationalsozialistischen Deutschland gleich, indem er es beschuldigte, die muslimischen Bürger in den „besetzten arabischen Gebieten Libanons, Syriens und Jordaniens“ genauso zu behandeln wie Nazi-Deutschland die Juden – eine weitere falsche Gleichsetzung, die heute als Holocaust-Inversion bekannt ist. Heute, so schrieb M. Zandenberg, der Autor des Artikels, seien es die Juden, die Araber „in Ghettos, hinter den Stacheldraht von Konzentrationslagern“ zwängen.

Wie, fragte Zandenberg, konnte „der zionistische Staat“ nur solch kaltblütige „Söldner“ hervorbringen? Seine Antwort lautete: Israelischen Kindern werde schon in der Grundschule beigebracht, dass der einzige Weg, mit einem Araber umzugehen, darin bestehe, ihn zu töten – eine Idee, die sie aus den heiligen Büchern der Juden lernen würden. Um seine These zu „beweisen“, führte er eine Sammlung von Zitaten aus den Büchern des jüdischen Gesetzeskodex an (Schulchan Aruch, Orach Chajim und Yoreh De’ah), die seiner Meinung nach als „Handbücher“ für das Vorgehen des israelischen Militärs dienten. Diese Zitate, so behauptete er, zeigten, dass das Judentum die rassische Überlegenheit des „von Gott auserwählten Volkes“ über allen anderen predige und den Juden Hass auf Nichtjuden einpflanze. Israelische Soldaten, die sich nicht an diese Gesetze hielten, würden streng bestraft.[21]

Der Artikel war ein offensichtlicher Fall von Lügen und Verleumdung und die französische Internationale Liga gegen Rassismus und Antisemitismus (LICRA), die interreligiöse Organisation Rencontres entre Chrétiens et Juifs und die israelische Botschaft in Paris protestierten. Daraufhin legten die Sowjets noch einmal nach. In einem Artikel mit dem Titel „Womit sind die Zionisten nicht zufrieden?“, den Nowosti weltweit auf Französisch, Englisch und Italienisch verbreitete, griff der Schriftsteller Nikolai Rebrov direkt auf Verschwörungserzählungen zurück. „Die israelischen Machthaber“, schrieb er, hätten stets versucht, den Inhalt ihrer wichtigsten religiösen Bücher vor dem Rest der Welt zu verbergen. (Nur ein sowjetischer Schriftsteller, der in einem Land lebte, in dem jüdische religiöse Texte zensiert wurden – oder einer, der in der Materie keinerlei Kenntnisse hatte –, konnte hoffen, seine Leser davon zu überzeugen, dass ein so bekannter Text wie der Schulchan Aruch geheim sei.) Die „Anbeter Jahwes“ – eine spöttische sowjetische Bezeichnung für Israelis und religiöse Juden – täuschten die Öffentlichkeit über ihre „religiöse Ideologie“ und „hypnotisierten“ sie mit Propaganda, während sie versuchten, dem Zionismus ein menschliches Antlitz zu verleihen.

Um zu beweisen, dass das „rassistische“ jüdisch-religiöse Konzept der Auserwähltheit und der daraus angeblich resultierende Wunsch nach Weltherrschaft den imaginären zionistischen „Völkermord“ an den Arabern inspirierten, fügte Rebrov einige „religiöse“ Zitate hinzu, die im Geiste Zandenbergs Artikel ähnelten. Er schloss mit der Bemerkung, dass Zionisten über Antisemitismus und Rassismus klagen, aber „sie sind es, die die Araber in Konzentrationslager, Reservate und Ghettos stecken, um die ‚Reinheit der jüdischen Rasse‘ zu bewahren.“[22]

Der vorliegende Aufsatz bietet nicht genügend Raum, um die in den beiden Artikeln verwendeten Tropen umfassend zu analysieren. Viele davon, von falschen, irreführenden und dämonisierenden Analogien bis hin zu leicht erkennbaren Elementen klassischer antisemitischer Verschwörungstheorien, sind fester Bestandteil des zeitgenössischen linken Diskurses und wurden in jüngerer Zeit bereits von anderen widerlegt. Entscheidend ist, dass die Artikel genügend Material lieferten, damit LICRA und Rencontres wegen rassistischer Verleumdung und Anstiftung zu Diskriminierung, Hass oder rassistischer Gewalt klagen konnten. Da die sowjetische Botschaft diplomatische Immunität genoss, verklagten die Antragsteller Legagneux, der die Veröffentlichung von U.R.S.S. beaufsichtigte. Nur der erste Artikel, der von einem in Frankreich ansässigen französischsprachigen Magazin veröffentlicht wurde, spielte im Verfahren eine Rolle.

Der Prozess erregte beträchtliches Medieninteresse. Die Kläger beriefen eine illustre Gruppe von Zeugen, darunter den bereits erwähnten Großrabbiner von Frankreich und René Cassin, einen französischen Juristen und Friedensnobelpreisträger, der maßgeblich an der Ausarbeitung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte beteiligt war.[23]

Der Höhepunkt des Prozesses aber war der Auftritt von Grigorij Svirskij, einem in Israel lebenden sowjetischen Schriftsteller, der über die Herkunft von Zandenbergs Artikel aussagte. Es stellte sich heraus, dass Zandenberg ganze Passagen – einschließlich Tippfehlern – aus einer Broschüre von 1906 mit dem Titel Die Judenfrage ... oder die Unmöglichkeit, Juden volle Rechte zu gewähren übernommen hatte. Autor dieser Broschüre war S. Rossov, ein Mitglied der ultranationalistischen antisemitischen Bewegung Schwarze Hundert, die im vorrevolutionären Russland Pogrome anzettelte.[24] Der einzige Unterschied zwischen „Die Schule des Obskurantismus“ und der Broschüre von 1906 bestand darin, dass immer dort, wo in letzterer das Wort „Jude“ verwendet wurde, in ersterer „Zionist“ stand.[25]

Die Quelle der vermeintlichen religiösen Zitate in Rossovs Pamphlet ist von Bedeutung. Er hatte sie aus Übersetzungen von Aleksej Schmakow übernommen: einem der prominentesten russischen Schwarzhunderter, der sein Leben der Entlarvung der jüdischen Verschwörung widmete, von der er glaubte, dass sie Russland im Würgegriff halte. Als Jurist verteidigte Schmakow Pogromisten vor Gericht und trat als Privatkläger im berüchtigten Ritualmordprozess gegen Mendel Beilis 1913 auf. (Nach Beilis’ Freispruch soll Schmakow ausgerufen haben: „Alles ist verloren; ein schrecklicher Schlag für Russland.“[26]) Schmakow glaubte, dass die Quelle der jüdischen Frevel in „geheimen“ jüdischen Texten liege, und machte sich die Mühe, diese selbst zu „übersetzen“, wobei er nicht nur das ursprüngliche Hebräisch verdrehte, sondern ganze Absätze hinzufügte.[27]

Für die Sowjetunion, die sich als Vorreiterin im weltweiten Kampf gegen Rassismus präsentierte, hätte nichts peinlicher sein können, als dabei ertappt zu werden, wie sie in Europa rechte, rassistische und antisemitische Propaganda verbreitete. Da die Verteidigung offenbar erkannte, dass sie keine Chance hatte, und den Fall schnell beenden wollte, rief sie keine Zeugen auf. Legagneux’ Versuch, zu argumentieren, dass der Artikel eine Kritik an Israel darstelle, konnte das Gericht nicht überzeugen.[28] Seine Aussage trug jedoch dazu bei, den Schleier über dem Entstehungsprozess der antiisraelischen Tiraden Moskaus in Europa zu lüften. Legagneux sagte aus, zwar für das Blatt verantwortlich gewesen zu sein, aber keinen Einfluss auf dessen Inhalt gehabt zu haben; Moskau habe ihm die Artikel auf Französisch zur automatischen Veröffentlichung zugesandt. Das Blatt wurde an andere Botschaften weitergeleitet und Nachrichtenorganisationen hatten die ausdrückliche Erlaubnis, den Inhalt nachzudrucken.

In Anerkennung der Tatsache, dass Legagneux lediglich ein Rädchen im Getriebe der sowjetischen Propagandamaschinerie war, verurteilte das Gericht ihn zur Zahlung einer symbolischen Summe und zur Veröffentlichung des Gerichtsurteils in der nächsten Ausgabe von U.R.S.S. („an derselben Stelle und in derselben Form wie der belastende Artikel“) sowie in sechs vom Kläger ausgewählten französischen Zeitungen.[29]

Die Köpfe hinter der Propaganda

Dass die reaktionäre Propaganda der Schwarzhunderter in dem Artikel, der den Prozess in Paris auslöste, sowie in dem Artikel, der zu seiner Verteidigung veröffentlicht wurde, auftauchte, war keineswegs ein Einzelfall. Anfang der 1980er Jahre sandte die sowjetische Historikerin und Pädagogin Ruth Okuneva einen Brief an Leonid Breschnew, den Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, in dem sie ihre Besorgnis über die Verbreitung antisemitischer Tropen in sowjetischen Publikationen zum Ausdruck brachte. Sie ergänzte ihren Brief um mehrere Seiten, die, wie sie es nannte, „seltsame Analogien“ aufzeigten. Neben etwa 200 Zitaten aus sowjetischen antizionistischen Bestsellern enthielten diese Seiten auffallend ähnlich klingende Zitate von Hitler, Himmler, Goebbels und prominenten Mitgliedern der Schwarzhunderter.[30]

Die Ähnlichkeit war schockierend und stand, wie Okuneva hervorhob, in völligem Widerspruch zum leninistischen Erbe, das die Sowjetunion öffentlich reklamierte. Lenin hatte den rassistischen Antisemitismus der Schwarzhunderter verurteilt und ihn als Instrument der Klassenunterdrückung betrachtet. Seiner Ansicht nach war in einem sozialistischen Staat kein Platz für eine solche Rhetorik. Wie kam es, dass eine derartige antisemitische Sprache 65 Jahre nach der Revolution Eingang in die Mainstream-Publikationen der Sowjetunion fand? Der Generalsekretär antwortete nicht auf Okunevas Brief. Heute können wir jedoch eine Antwort wagen. Dazu müssen wir uns einige der Persönlichkeiten aus dem Umfeld der Gruppe ansehen, die diese Art von Literatur produzierte: die Zionologen.

Die Zionologen

Die Männer und Frauen, die den Großteil der sowjetischen antizionistischen Propaganda produzierten, gehörten einer losen großrussisch-nationalistischen Bewegung an, die Ende der 1950er Jahre entstand und in den 1960er Jahren an Stärke gewann. Sie wurde als Russische Partei bezeichnet, obwohl sie nie zu einer formalen politischen Partei wurde. In gewisser Weise erwuchs die Bewegung aus derselben bedrückenden Atmosphäre der Nach-Stalin-Ära, die auch die liberale Dissidentenbewegung hervorgebracht hatte. Doch statt Antworten bei westlichen liberalen Demokratien zu suchen, wandten sich die Mitglieder der Russischen Partei der extremen Rechten und der vorrevolutionären Vergangenheit Russlands zu. Dort fanden sie einen reichen Fundus an antisemitischen Abhandlungen, die ihren eigenen radikalen Antisemitismus bestärkten.

Einige Mitglieder der Bewegung konnten ihren Hass auf das Sowjetregime nicht verbergen und landeten in denselben Arbeitslagern wie ihre liberalen Gegenparts. Viele von ihnen verstanden es jedoch, ihre ultranationalistischen, antisemitischen und fremdenfeindlichen Ansichten mit der marxistisch-leninistischen Sprache des Systems zu verbinden und erlangten so beträchtlichen Einfluss unter den kommunistischen Eliten, dem Sicherheitsapparat und Teilen der Medien- und Verlagsbranche.[31] In den 1960er Jahren kursierten die offiziell verbotenen Protokolle der Weisen von Zionfrei unter den Eliten des Komsomol – der mächtigen Jugendorganisation des sowjetisch-kommunistischen Apparats –, wo mehrere prominente Zionologen ihre Laufbahn begannen. Mitglieder der Russischen Partei lasen Texte von Emigranten der Weißen Garde, die den Mythos des Judeobolschewismus populär gemacht hatten: die antisemitische Erfindung, derzufolge Juden die Revolution von 1917 angezettelt und Russland unterjocht hätten, was zu einem zentralen Element nationalsozialistischer Propaganda wurde. Einige lasen Mein Kampf.

Ihr „Wissen“ über die Juden war nach dem Sechstagekrieg sehr gefragt. Die Niederlage des sowjetisch-arabischen Bündnisses gegen Israel, die der sowjetischen Führung das Gefühl vermittelte, in der strategisch entscheidenden Region des Nahen Ostens an Einfluss zu verlieren, stürzte den sozialistischen Block in eine Krise. Der Sieg Israels verlieh außerdem der jüdischen Nationalbewegung im Innern starken Auftrieb, was wiederum die einflussreiche sowjetisch-jüdische Bewegung im Ausland anregte und die Not der sowjetischen Juden in den Mittelpunkt der Politik des Kalten Krieges rückte. Der gemeinsame Nenner all dieser Ereignisse waren die Juden. Vor dem Hintergrund einer politischen Kultur, in der jahrzehntelang Verschwörungstheorien – darunter auch antisemitische – und Paranoia grassierten, war der sowjetische Sicherheits- und Parteiapparat empfänglich für die Vorstellung, eine massive weltweite Verschwörung von Juden/Zionisten im In- und Ausland würde gegen ihn betrieben. In diesem Umfeld gewann die Gruppe der sogenannten Zionologen an Bedeutung.

Der Kopf hinter dem Artikel im Pariser Prozess

Einer der prominentesten sowjetischen Zionologen war Jewgenij Jewsejew. Erst Jahrzehnte nach Abschluss des Pariser Prozesses entdeckte der russische Historiker Gennadij Kostyrtschenko, dass Jewsejew und nicht ein „M. Zandenberg“ der eigentliche Autor des belastenden Artikels war, der das Verfahren ausgelöst hatte.[32] Als U.R.S.S. seinen unter Pseudonym verfassten Artikel im September 1972 veröffentlichte, hatte er sich bereits als Autor von Faschismus unter dem blauen Stern einen Namen gemacht,[33] dessen unverhohlen antisemitische Tropen – darunter die Gleichsetzung von Zionismus und Faschismus, die 1971 die westliche Öffentlichkeit noch schockierte – im Westen auf Empörung stießen.

Jewsejews Werdegang ist typisch für mehrere führende Zionologen. Er wurde an renommierten Moskauer Institutionen, die vertrauenswürdige Kader für die sowjetische Außenpolitik heranzogen, zum „Arabisten“ ausgebildet – einem Nahost-Experten mit Arabischkenntnissen. Nach seinem Abschluss im Jahr 1958 erhielt er eine begehrte Stelle in der Nahostabteilung des Außenministeriums und trat noch im selben Jahr in die sowjetische Botschaft in Kairo ein, wo er vom Arabisch-Dolmetscher zum dritten Sekretär aufstieg. 1963, zurück in Moskau, verteidigte er seine Dissertation „Arabischer Nationalismus und arabischer Sozialismus in der politischen Praxis der Vereinigten Arabischen Republik“. Im Anschluss verließ er den diplomatischen Dienst – einige behaupten, er sei entlassen worden – und trat der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften bei, genauer gesagt dem Institut für Philosophie, wo er Jelena Modrschinskaja unterstellt war, die die Abteilung für wissenschaftliche Kritik des Antikommunismus leitete und selbst eine wichtige Größe der sowjetischen Zionologie war. (Modrschinskajas Biografie beinhaltet unter anderem den Dienst als NKWD-Geheimdienstoffizierin unter Stalins Handlanger Lawrentij Berija, die Stationierung in der sowjetischen Geheimdienstresidenz in London und die Kenntnis der Informationen, die vom Spionagering Cambridge Five übermittelt wurden.[34] Einer ihrer Beiträge zur antizionistischen Kampagne in der Spätphase der Sowjetunion war Das Gift des Zionismus, ein schmales Buch, das mit Karikaturen im Stil des Stürmers illustriert war.)[35]

Trotz seines Wechsels zur Akademie der Wissenschaften pflegte Jewsejew weiterhin enge Verbindungen zum KGB, zum Zentralkomitee und zum Außenministerium. Er war außerdem aktives Mitglied in der Sowjetisch-Palästinensischen Gesellschaft. Vermutlich fiel es ihm als Neffe von Boris Ponomarjow, dem mächtigen Leiter der Internationalen Abteilung des Zentralkomitees der KPdSU, der eine zentrale Rolle bei der Formulierung der sowjetischen Außenpolitik spielte (einschließlich der sowjetischen Beziehungen zu ausländischen linken Parteien), leichter, Einfluss zu behalten.[36] Es ist wahrscheinlich, dass der KGB Jewsejews Namen während des Pariser Prozesses aufgrund seiner hochrangigen Verbindungen und seiner Bekanntheit unter Verschluss hielt.[37]

Das Institut für Philosophie verlieh Jewsejew akademische Glaubwürdigkeit und gab seiner antizionistischen „Kritik“ den Anschein wissenschaftlicher Legitimität. Von dieser Position aus veröffentlichte er zahlreiche Artikel, in denen er den Zionismus verteufelte und die inzwischen bekannten Tropen verbreitete, die den Zionismus mit Nazismus, Faschismus und Rassismus gleichsetzen.[38] Er hielt zahlreiche Vorträge vor sowjetischem Publikum.[39] 1973 trat er auf einer von der Sowjetunion finanzierten Konferenz in Kairo mit einem Vortrag in arabischer Sprache auf, der den Titel „Der Nahe Osten in den Plänen der Zionisten und Imperialisten“ trug.[40] 1978 verteidigte er seine Habilitationsschrift „Der Zionismus im System des Antikommunismus“. Die Arbeit wurde unter russischen Nationalisten enthusiastisch aufgenommen, löste jedoch bei seriösen Wissenschaftlern Proteste aus.[41] Aufgrund ihrer Umstrittenheit erschien sie nur in einer sehr kleinen Auflage von 500 Exemplaren. (Breschnews Schwiegersohn, seines Zeichens stellvertretender Innenminister, veranlasste die Nutzung der Druckerei des Ministeriums für diesen Zweck.) Einige der Exemplare wurden über das Außenministerium an sowjetische Botschaften verschickt.[42] 1981 wurde sein Buch Faschismus unter dem blauen Stern in überarbeiteter Form unter dem Titel Rassismus unter dem blauen Stern neu aufgelegt.

Wie der Fall des Pariser Prozesses zeigt, bediente sich Jewsejew der Literatur vorrevolutionärer russischer Pogromisten als Quelle für seine „Informationen“ über Juden und Zionisten. Sein Arabistik-Hintergrund erklärt auch einen weiteren Fall antisemitischen Plagiats, den der Schriftsteller Emanuel Litvinoff aufgedeckt hat. Wie sich 1969 herausstellte, hatte Jewsejew falsche Statistiken über amerikanische Juden aus einem 1957 in Kairo veröffentlichten Pamphlet mit dem Titel Amerika – eine zionistische Kolonie übernommen. Litvinoff wies darauf hin, dass die antijüdische Propaganda Ägyptens 1957 von Johannes van Leers koordiniert wurde, einem Nazi-Flüchtling, der unter Hitler gedient, für Goebbels publiziert und später zum Islam konvertiert hatte. Von Ägyptens Präsident Gamal Abdel Nasser zum Leiter des Instituts für Zionismusforschung in Kairo ernannt, beaufsichtigte er die Erstellung und Verbreitung Hunderter antisemitischer Publikationen.[43]

Jewsejews unveröffentlichte private Notizen belegen, dass sein „wissenschaftlicher“ Antizionismus mit seinem persönlichen Antisemitismus übereinstimmte. Darin beklagte er, was er als den jüdischen Würgegriff um die sowjetischen Staatsstrukturen, die Presse, die Literatur, die Kunst, die Medizin und die Rechtsberufe erachtete. Er empfand es als Beleidigung, dass, so meinte er, sowjetisch-jüdische Stand-up-Comedians das russische Volk „verspotteten“. Zur Lösung der sowjetischen „Judenfrage“ schlug er vor: die Einführung diskriminierender Maßnahmen gegen Juden; die Zulassung der Auswanderung von Juden, die diese Maßnahmen ablehnen; die vollständige Schließung der Auswanderung nach zwei Jahren; sowie ein Verbot für Juden, die sich für den weiteren Verbleib entschieden hatten, jemals wieder mit Juden im Ausland zu kommunizieren. Wer gegen das Kommunikationstabu verstoße, solle „hart bestraft“ werden.[44]

Milowanows Club

Jewsejews Werdegang hebt die enge Verbindung zwischen sowjetischen Zionologen und der sowjetischen Nahost-Außenpolitik hervor. Die Zionologen gruppierten sich um den hochrangigen Funktionär Iwan Milowanow, der für die Nahost-Abteilung der Internationalen Abteilung des Zentralkomitees der KPdSU verantwortlich war – jene Abteilung, die von dem bereits erwähnten Ponomarjow, dem Onkel Jewsejews, beaufsichtigt wurde. Milowanow genehmigte persönlich sämtliche Veröffentlichungen zum Thema „internationaler Zionismus“.[45]

Ein direkter Untergebener Milowanows war Juri Iwanow, der Begründer der sowjetischen Zionologie, der die Beziehungen des Zentralkomitees zu israelischen Kommunisten überwachte. Er verfügte über ausgezeichnete Englischkenntnisse und reiste durch den Nahen Osten, einschließlich Israels. Auf Drängen Milowanows verfasste er 1969 Beware: Zionism!, den Grundlagentext des sowjetischen Antizionismus, der sich in der UdSSR rund 800.000 Mal verkaufte und in mindestens sechzehn Sprachen übersetzt wurde.[46] (Ich habe persönlich Exemplare des Buches in Russisch, Englisch, Arabisch, Französisch, Ukrainisch, Estnisch, Slowakisch und Polnisch gesehen.)

Die einmalige Leistung des Buches bestand darin, klassische antisemitische Verschwörungstheorien in den einzigen in der UdSSR zulässigen philosophischen Rahmen – den marxistisch-leninistischen – zu integrieren und sie als antizionistische Kritik umzudeuten. „Iwanow gelang es, mit Hilfe der Werke von Marx und Lenin, gegen die niemand Einwände erheben konnte, eine feste theoretische Grundlage für die offene Kritik am Zionismus zu schaffen“, erinnerte sich Wladimir Bolschakow, ein weiterer prominenter Zionologe, in seinen Memoiren. Der marxistisch-leninistische Rahmen war zwar einschränkend, aber selbst „das Wenige“, das Iwanow darin sagen konnte, wurde als „wahre Sensation“ aufgenommen, notierte Bolschakow, vermutlich in Anspielung auf die Reaktion seiner Mitstreiter unter den antisemitischen russischen Nationalisten.[47] Iwanows obsessive Fokussierung auf die Zionisten brachte ihm unter seinen Kollegen im Zentralkomitee den Spitznamen „der wichtigste Itzologe der Sowjetunion“ ein – ein Beleg dafür, dass es für sowjetische Apparatschiks keinen wesentlichen Unterschied zwischen „Itzigen“ und Zionisten gab.[48]

Ein weiterer prominenter sowjetischer Zionologe, Waleri Jemeljanow, war ebenfalls Teil des außenpolitischen Establishments der Sowjetunion und hatte als Berater Chruschtschows für Angelegenheiten des Nahen Ostens gedient. Dieser Hintergrund, kombiniert mit seinen ausgezeichneten Arabischkenntnissen, verschaffte ihm hochrangige Kontakte in der arabischen Welt, wo er sein „Wissen“ über den Zionismus erlangte.[49] Als populärer Redner im Moskauer Vortragszirkel der Kommunistischen Partei in den frühen 1970er Jahren hielt er Vorträge im Stil der Protokolle der Weisen von Zion, in denen er die „jüdisch-freimaurerische Verschwörung“ zur Übernahme der Weltherrschaft enthüllte. Jemeljanows Buch Entzionisierung, das die Protokolle reproduzierte und seine Vision einer weltweiten antizionistischen und antimaurerischen Front – einer Organisation mit Beobachterstatus bei der UNO – enthielt, wurde 1978–1979 in arabischer Sprache in der syrischen Zeitung Al-Baath serialisiert.[50] Den Weg nach Syrien fand der Text dank Vertretern der PLO.[51] Offenbar war das Buch selbst für sowjetische Verleger zu offen antisemitisch, weshalb die russische Fassung des Buches allem Anschein nach mit Hilfe der in Paris ansässigen Free Palestine Press der PLO gedruckt wurde.[52]

Bei der Auswertung der Arbeit der Zionologen weist der russische Wissenschaftler Nikolaj Mitrochin darauf hin, dass eines ihrer Teilziele darin bestand, vor der sowjetischen Öffentlichkeit „die pro-arabische und anti-israelische Politik der Sowjetunion zu rechtfertigen“.[53] Ihre Verbindungen in die arabische Welt und ihre Arabischkenntnisse verschafften ihnen Zugang zu der unter nationalsozialistischem Einfluss entstandenen arabischen antisemitischen Propaganda, die ihre bereits bestehenden antisemitischen Überzeugungen nur noch bestätigte. Kostyrtschenko vermutet, dass sie bei ihrer regelmäßigen Lobbyarbeit im Kreml für eine härtere antizionistische Haltung von den Interessen ihrer arabischen Kontakte motiviert waren – sogar so weitgehend, dass er sie als „Einflussagenten“ der arabischen Staaten bezeichnet.[54]

Unabhängig davon, welche innen- und außenpolitischen Dynamiken die massive sowjetische Anti-Israel-Propagandakampagne antrieben, bestand der wichtigste und nachhaltigste Beitrag der Zionologen zum globalen antijüdischen Diskurs darin, antisemitische Verschwörungstheorien, die typischerweise mit der extremen Rechten in Verbindung gebracht werden, für die westliche extreme Linke nicht nur salonfähig, sondern auch politisch nützlich zu machen. Im nächsten Abschnitt werde ich einige der Pfade nachzeichnen, über die diese Propaganda ihr globales Publikum erreichte.

Ein globales Publikum erreichen

Die Rolle von Nowosti

Der Prozess in Paris verdeutlichte zwei Wege, über die sowjetische Propaganda den Westen erreichte: über Veröffentlichungen der sowjetischen Botschaft und über das mächtige internationale Netzwerk der Presseagentur Nowosti, auch bekannt als APN.

Nowosti war ein zentraler Akteur in der außenpolitischen Propagandamaschinerie der Sowjetunion. Die Redaktion der mit Hilfe des KGB gegründeten Agentur bestand zu einem erheblichen Teil aus Geheimdienstmitarbeitern. Nowosti war in 110 Ländern aktiv und unterhielt Verbindungen zu 140 großen internationalen und nationalen Agenturen.[55] Die Bedeutung von Nowosti wird auch dadurch unterstrichen, dass ihr Vorsitz dem Rang eines Ministeramts gleichgestellt war.

Nowosti spielte eine Schlüsselrolle bei der Planung und Umsetzung der globalen antizionistischen Kampagne der Sowjetunion. Eines der ihr zur Verfügung stehenden Mittel war der Druck und die Verteilung von fremdsprachigen Pamphleten im Taschenformat, die dem ausländischen Publikum die sowjetische Sichtweise auf Juden und Zionismus vermitteln sollten. In meiner persönlichen Sammlung befinden sich die folgenden englischsprachigen Nowosti-Pamphlete, die wahrscheinlich auch in zahlreichen anderen Sprachen veröffentlicht wurden:

  1. Zionism: An Instrument of Imperialist Reaction. Soviet Opinion on Events in the Middle East and Adventures of International Zionism (1970)
  2. Anti-Sovietism – Profession of Zionists von Wladimir Bolschakow (1971)
  3. Soviet Jews Reject Zionist Protection: Nowosti Press Agency Roundtable, Discussion February 5, 1971 (1971)
  4. Deceived by Zionism (1971)[56]
  5. The Deceived Testify Concerning the Plight of Immigrants in Israel (1971)
  6. Letters from Europe, January-March 1971 von Aron Vergelis (1971)
  7. Soviet Jews: Fact and Fiction (Jahr unbekannt)
  8. Tel Aviv Fails in Africa (1975)
  9. Israel: The Reality behind the Myth (1980)
  10. Zionism Counts on Terror von Sergej Sedow (1984)
  11. Enemy of Peace and Progress: On the Criminal Policy of Israel’s Zionist Regime (1984)
  12. Washington and Tel Aviv against the Arabs (1984)
  13. Criminal Alliance of Zionism and Nazism (1985)
  14. Zionism: Words and Deeds, by the Antizionist Committee of the Soviet Public Opinion (1987)

Ein Memorandum des Nowosti-Vorsitzenden Iwan Udalzow an das Zentralkomitee der KPdSU vom 27. Januar 1971 gibt einen Einblick in die „kontinuierlichen Bemühungen“ der Agentur, der „zionistischen Propaganda“ im Ausland „entgegenzuwirken“. Udalzow berichtete über Auftritte von Nowosti-Kommentatoren in ausländischen Fernsehsendungen, darunter im Vereinigten Königreich, wo sie die Gleichberechtigung sowjetischer Juden betonten. Diese Auftritte wurden ihm zufolge von der internationalen Presse aufgegriffen, darunter UPI, The Guardian und amerikanisch-jüdische Publikationen.

Udalzows Erläuterung, wie Nowosti „die Wahrheit“ über den Zionismus „aufzudecken“ suchte, ist durchzogen von charakteristischen verschwörungstheoretischen Tropen. So berichtete er beispielsweise über die Veröffentlichung eines Artikels mit dem Titel „The Fuehrers and Storm Troopers of Neo-racism“ in der New York Times, in dem „die geistige Verwandtschaft zwischen Zionismus und Faschismus“ untersucht wurde. (Mehr dazu weiter unten.) Außerdem verbreitete Nowosti im Ausland Materialien darüber, „wie Zionisten durch das Schüren von Antisemitismus Freiwillige für die israelische Armee rekrutieren“; über hochrangige amerikanische Regierungskreise, die angeblich die Jewish Defense League (JDL) deckten – eine rechtsextreme jüdische Splittergruppe unter der Führung von Meir Kahane, die in ihrer Kampagne für die Juden in der Sowjetunion sowjetische Dienststellen und Vertreter im Ausland terrorisierte; sowie über die angeblichen „subversiven Aktivitäten“ der Zionisten während des Prager Frühlings 1968, einem Reformversuch tschechischer Kommunisten, der von Moskau niedergeschlagen wurde.

Udalzows Memo gewährte auch einen Einblick in die Art und Weise, wie die Sowjets ihre jüdischen Staatsangehörigen zur Teilnahme an ihrer antizionistischen Kampagne bewegten. Er hatte seinen Bericht zu einem kritischen Zeitpunkt verfasst, unmittelbar nach dem Prozess gegen eine Gruppe junger jüdischer Aktivisten in Leningrad, die aus Frustration über verweigerte Ausreisegenehmigungen versucht hatten, ein leeres Flugzeug zu entführen, um ins Ausland zu gelangen.[57] Der Prozess, der mit zwei Todesurteilen endete, löste massive Proteste im Ausland aus und zwang die Behörden, die Todesurteile in fünfzehn Jahre Haft in Straflagern umzuwandeln. Doch der Schaden war bereits angerichtet, und weitere Negativschlagzeilen drohten angesichts einer internationalen Konferenz über das sowjetische Judentum, die wenig später in Brüssel stattfinden sollte.

Um die negative Berichterstattung zu kontern, plante Nowosti, Aron Vergelis – Chefredakteur der offiziellen sowjetischen jiddischsprachigen Zeitschrift Sovetish heymland („Sowjetisches Mutterland“) – auf eine Europareise zu schicken, wo er Pressekonferenzen in den Schweizer und Belgischen Büros von Nowosti geben sollte. Parallel dazu beabsichtigte Nowosti, Proteste sowjetischer Juden gegen die Brüsseler Konferenz im Inland zu organisieren, inklusive der Unterzeichnung eines Protestbriefes an europäische Redakteure sowie einer Diskussionsrunde mit Pressevertretern in den Räumen von Sovetish heymland in Moskau zum Thema Gleichberechtigung sowjetischer Juden. Nowosti plante darüber hinaus, Propagandamaterial an sowjetische Botschaften und Auslandsbüros zu liefern, darunter einen eigens produzierten Film über den Status des sowjetischen Judentums und eine Reihe von Präsentationen, etwa über das harte Leben der „schwer arbeitenden Juden“ im Westen oder „über das Scheitern der zionistischen Propaganda, die darauf abzielt, Antisemitismus zu schüren.“

Einige der von Udalzow genannten konkreten Ergebnisse lassen sich leicht nachverfolgen. Vergelis erschien tatsächlich am 7. Januar 1971[58] auf einer Pressekonferenz von Nowosti in Genf – eine Veranstaltung, die der Jüdische Weltkongress als inszenierte Aufführung „einiger zahmer, bezahlter, eingeschüchterter und verängstigter [sowjetischer] Juden“ verurteilte, deren einziger Zweck es sei, „die Maßnahmen der sowjetischen Behörden gegen die etwa drei Millionen Mitglieder zählende jüdische Bevölkerung zu vertuschen.“[59] Auch die Gesprächsrunde mit der Presse in den Moskauer Büros von Sovetish heymland, bei der Vergelis und die üblichen jüdischen Vertreter den Zionismus verurteilten und die sowjetische Politik gegenüber den Juden lobten, fand statt. (Diese Ereignisse lieferten Quellenmaterial für das Nowosti-Pamphlet Soviet Jews Reject Zionist Protection.)[60]

Die Veröffentlichung eines Artikels in der New York Times am 23. Januar 1971 war zweifellos die wichtigste Errungenschaft in Udalzows Berichtszeitraum. Es ist den Redakteuren der Zeitung hoch anzurechnen, dass sie den bombastischen Originaltitel des Artikels in das neutralere „A Soviet View on Jews“ änderten und ihn ober- und unterhalb mit Kolumnen zweier prominenter Anführer der sowjetischen Judenbewegung, William Korey und Morris Abram, einrahmten. Der Autor des Nowosti-Artikels, Spartak Beglow, baute seinen Beitrag um die Verurteilung Kahanes und der JDL herum auf. Es war eine Perspektive, die ihm die Zustimmung der meisten amerikanischen Juden eingebracht hätte – eine Tatsache, derer sich die sowjetischen Propagandisten nur zu bewusst waren. Doch der eigentliche Zweck des Artikels bestand darin, dem großen Publikum der Times die sowjetische „Zionismus ist Nazismus“-Hetze nahezubringen. Während Beglow sich vordergründig auf Kahane konzentrierte, bezeichnete er jeden amerikanischen Juden, der sich mit Israel identifizierte, als „zionistischen Fanatiker“ und Mitglied einer fünften Kolonne, die dem Frieden zwischen den Vereinigten Staaten und der UdSSR im Wege stehe.[61]

Sowjetische Botschaften im Ausland

Einige Einblicke in die Rolle der sowjetischen Botschaften bei der Verbreitung antizionistischer Dämonisierung lassen sich aus der Korrespondenz zwischen dem langjährigen sowjetischen Botschafter in den Vereinigten Staaten, Anatolij Dobrynin, und seinen Vorgesetzten in Moskau gewinnen.

In einem Memo vom 7. Juli 1970 mit dem Titel „Einige Gedanken zur Bekämpfung feindlicher, antisowjetischer und antisozialistischer Aktivitäten von amerikanisch-zionistischen und prozionistischen Kreisen“ lieferte Dobrynin Moskau eine Einschätzung des scheinbaren Erfolgs der Zionisten bei der Unterwanderung des amerikanischen Establishments. Er führte diesen Erfolg auf mehrere Faktoren zurück: die allmächtige Israel-Lobby; die „exzessive öffentliche Aktivität“ von mehr als 300 jüdischen Organisationen; die Präsenz einer großen Anzahl von Juden in einflussreichen Positionen innerhalb der amerikanischen Medien, Wirtschaft und der Führung der AFL-CIO; sowie die Unterstützung durch das Pentagon. Indem er mehrere antisemitische Tropen gleichzeitig aufgriff und Moskaus Überzeugung bestätigte, dass in Washington eine mächtige zionistische Verschwörung gegen Russland operiere, erklärte Dobrynin, das zionistische Element habe „tiefe Wurzeln in amerikanischem Boden geschlagen“ und ein erfolgreicher Kampf dagegen erfordere „einen einheitlichen und sorgfältig koordinierten Plan.“

Im Februar 1971 wies Moskau Dobrynin an, die amerikanisch-jüdische Gemeinde und die amerikanisch-zionistischen Organisationen genau zu studieren und dabei besonders darauf zu achten, wie die Zionisten „die amerikanische öffentliche Meinung“ im Allgemeinen und die Mitglieder des Kongresses im Besonderen „manipulierten“. Die Botschaft sollte daran arbeiten, den Einfluss der Zionisten unter Republikanern und Demokraten zu untergraben; die Verbindungen der Zionisten zum „amerikanischen Monopolkapital“ zu untersuchen; und die von „jüdischem Kapital“ kontrollierten Finanz- und Industrieunternehmen zu analysieren. Ihre Aufgabe bestand darin, alle Widersprüche unter amerikanischen Juden in Bezug auf die Sowjetunion, Israel und die Nixon-Regierung zu registrieren und Vorschläge zu unterbreiten, wie diese genutzt werden könnten, „um die Einheit der antisowjetischen zionistischen Kräfte zu diskreditieren und zu schwächen.“

Darüber hinaus sollte die Botschaft der amerikanischen Öffentlichkeit vor Augen führen, dass Zionisten den nationalen Interessen der USA feindlich gegenüberstünden und die so wichtigen Beziehungen zwischen den beiden Supermächten untergrüben – ein Argument, das auch in Beglows Artikel in der New York Times auftauchte. Dobrynin sollte über alle Fälle von Antisemitismus in den Vereinigten Staaten berichten, insbesondere unter den politischen Eliten, Vorschläge unterbreiten, wie diese in der antizionistischen Propaganda der Sowjets genutzt werden könnten, und mit progressiven amerikanisch-jüdischen und Mainstream-Medien zusammenarbeiten, um feindselige zionistische Aktivitäten aufzudecken.

Kurz darauf meldete sich Dobrynin mit der Nachricht zurück, in der Botschaft sei ein spezieller Propagandarat eingerichtet worden sei, dessen Aufgabe es sei, die Spaltung entlang der zionistischen/israelischen Linie innerhalb der amerikanisch-jüdischen Gemeinschaft zu vertiefen, ebenso wie zwischen Zionisten und der nichtjüdischen Bevölkerung der Vereinigten Staaten und anderer westlicher Länder; Fragen zur Loyalität der Zionisten gegenüber Israel aufzuwerfen; dazu beizutragen, die Differenzen zwischen der amerikanischen und der israelischen Regierung zu verschärfen; und vor den gewöhnlichen Amerikanern „das unverschämte Gesicht der Führer der frisch gebackenen zionistischen ‚höheren Rasse‘ aus Tel Aviv“ zu demaskieren.[62]

Dobrynins Korrespondenz verdeutlicht, in welchem Ausmaß die sowjetische antizionistische Ideologie von klassischen antisemitischen Verschwörungsmythen durchdrungen war. Hier finden sich auch Tropen über die Illoyalität der Juden, die als fremde und dem Frieden im Wege stehende Elemente in Amerika dargestellt wurden. Die Verschwörungsfantasie einer allmächtigen Israel-Lobby ist ein direktes Echo der Protokolle der Weisen von Zion, jenes Buches, das die Verschwörungstheorien der sowjetischen Zionologen nährte. Einige der beabsichtigten Maßnahmen – wie das Säen von Zwietracht unter amerikanischen Juden und der Versuch, einen Keil zwischen Juden und Nichtjuden in Amerika zu treiben – klingen geradezu bösartig. (Der israelische Investigativjournalist Ronen Bergman berichtete über eine KGB-Operation, die darauf abzielte, einen Keil zwischen amerikanische Juden und Schwarze zu treiben, und eine Reihe weiterer „aktiver Maßnahmen“, die jüdische Gemeinden weltweit unterminieren sollten.[63])

Dieser Schriftwechsel zeigt außerdem, dass sowjetische Beamte zwar zu verstehen schienen, dass die Haltung amerikanischer Juden zu Israel und zum Zionismus keineswegs einheitlich war – weshalb Moskau Dobrynin anwies, mit progressiven Juden zusammenzuarbeiten und die Spaltungen innerhalb der jüdischen Gemeinde zu vertiefen. Dennoch führten sie die „übermäßige“ Anzahl von Juden in „einflussreichen Positionen“ als Erklärung für die „prozionistische“ Politik Amerikas an, als ob jeder amerikanische Jude ein Werkzeug des zionistischen Einflusses wäre. Die antizionistische Ideologie der Sowjetunion besagte, dass die etablierten amerikanisch-jüdischen Organisationen bloße Rädchen in der gleichgeschalteten internationalen Zionismus-Maschinerie seien und der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency bedingungslos gehorchten. Diese Vorstellung ist nicht nur absurd für jeden, der die Vielfalt und Unabhängigkeit der amerikanisch-jüdischen Organisationen kennt, sondern auch bezeichnend für den schädlichen Verschwörungsglauben, der das sowjetische Denken durchdrang und den die sowjetische Propaganda weltweit verbreitete – einschließlich innerhalb der westlichen Linken.

Eine Echokammer mit der westlichen Linken aufbauen

Ein weiterer wichtiger Kanal, über den die sowjetische Verschwörungssicht auf den Zionismus einem westlichen Publikum vermittelt wurde, war die direkte Zusammenarbeit mit der westlichen Linken. Diese erfolgte häufig über eine spezielle Abteilung innerhalb des Zentralkomitees der KPdSU, die für die Beziehungen zu ausländischen kommunistischen Parteien zuständig war. Moskau erkannte erstmals, dass ausländische Kommunisten betreffs der „Judenfrage“ sensibel reagierten, nachdem 1952 die Enthüllungen über Stalins heimliche Ermordung prominenter sowjetisch-jüdischer Persönlichkeiten aus dem Kulturbetrieb einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hatten. Ein weiterer lautstarker Protest ausländischer Genossen erfolgte 1963, als die ukrainische Abteilung der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften ein offen antisemitisches Buch mit dem Titel Judentum ohne Beschönigung veröffentlichte.[64] Diese Vorfälle brachten Chruschtschow in Verlegenheit und lehrten ihn und andere sowjetische Führungsfiguren, dass sie in Angelegenheiten, die Juden betrafen, vorsichtig vorgehen mussten.

Im Frühjahr 1966 wurde das Zentralkomitee darüber informiert, dass Führungskräfte der Kommunistischen Partei Großbritanniens (CPGB) sich an die sowjetische Botschaft in London gewandt hatten, um Unterstützung bei der Ausarbeitung einer Erklärung „zum Status der jüdischen Bevölkerung in der UdSSR“ zu erhalten. Ihr Gesuch war eine Reaktion auf Fragen, die jüdische Kommunisten nach einer neuen Welle von Berichten über antijüdische Diskriminierung in der UdSSR aufgeworfen hatten. Als Antwort sollte der sowjetische Botschafter im Vereinigten Königreich den britischen Genossen die „richtige“ Sichtweise auf das sowjetische Judentum vermitteln, während Nowosti beauftragt wurde, relevante „Informationsmaterialien und -artikel“ zur Weitergabe an die CPGB-Führung bereitzustellen.[65]

Im selben Jahr erfuhr das Zentralkomitee, dass in Italien ein Buch veröffentlicht worden war, in dem die sowjetische Politik gegenüber den Juden kritisiert wurde. Was die Situation aus der Sicht Moskaus noch heikler machte, war die Tatsache, dass ein hochrangiger jüdisch-italienischer Kommunist, Umberto Terracini, daran mitgewirkt hatte. Das Politbüro der Kommunistischen Partei Italiens (PCI) traf sich mit Vertretern der sowjetischen Botschaft, um sein Bedauern über den Vorfall zu bekunden, während Moskau Nowosti anwies, der PCI Propagandamaterial über sowjetische Juden sowie ein Abonnement der Zeitschrift Sovetish heymland bereitzustellen. (Man fragt sich, was die jüdisch-italienischen Genossen davon hielten, dass Moskau ihnen eine jiddischsprachige Zeitschrift schenkte.) Moskau schlug außerdem vor, ein Mitglied der Zeitschriftenredaktion nach Italien zu entsenden, um dort „vor einem großen Publikum aufzutreten“.[66]

Moskau baute auch eine enge Beziehung zur Kommunistischen Partei der Vereinigten Staaten (CPUSA) auf. Ein Beispiel für die Zusammenarbeit der beiden Parteien in der „Judenfrage“ und der antizionistischen Propaganda findet sich in einem Memorandum vom 19. November. Darin wurde das Zentralkomitee darüber informiert, dass Hyman Lumer, Mitglied des Politischen Komitees des Nationalkomitees der CPUSA und Chefredakteur ihres Fachjournals Political Affairs, nach Moskau reisen werde, um an einer Konferenz über den Trotzkismus teilzunehmen, und um Unterstützung bei der Vorbereitung von „Materialien zur Entlarvung der zionistischen antisowjetischen Kampagne“ gebeten habe. Lumer plante, diese Materialien in eine Reihe von Artikeln und ein Pamphlet einfließen zu lassen, die „für eine breite Verteilung innerhalb der USA“ bestimmt waren. Das Memorandum des Zentralkomitees empfahl, Lumer mit den üblichen sowjetischen Juden zusammenzubringen, die wussten, wie man Ausländern die sowjetische Parteilinie vermittelt. (Zu dieser Gruppe gehörte auch der allgegenwärtige Vergelis von Sovetish heymland.) Das Material, das Lumer während dieser Reise sammelte, erschien 1973 in seinem Buch Zionism: Its Role in World Politics.[67]

Lumer war insgesamt ein produktiver Schriftsteller, der eine klare Moskauer Linie in Bezug auf Juden und Zionismus vertrat, dabei aber Themen mied, die im Westen sofort als antisemitisch erkannt worden wären, wie etwa die Dämonisierung jüdisch-religiöser Literatur. Beispiele für seine Schriften finden sich in den Pamphleten „Soviet Antisemitism“: A Cold War Myth[68] und Zionism: Is It Racist?[69] Moskau wiederum veröffentlichte Lumers Schriften in mindestens zwei russischsprachigen Sammelbänden zum Thema Zionismus, die auch Beiträge anderer linker Autoren aus dem Ausland enthielten.[70] Diese beiden Bände veranschaulichen den Mechanismus, mit dem Moskaus Ideologen eine globale antizionistische Echokammer aufbauten: Lumer und andere westliche Linke lernten von ihren sowjetischen Mentoren die „richtige“ Haltung zu Zionismus, Israel und Juden und vermittelten diese Haltung über heimische Publikationen an ihre eigene Anhängerschaft. Diese Publikationen wurden ihrerseits in der UdSSR neu veröffentlicht, wo die sowjetische Propaganda verkünden konnte, dass die „progressiven Kräfte“ der Welt in Bezug auf Israel und den Zionismus mit Moskau im Einklang stünden.

Die Funktionstüchtigkeit dieser antizionistischen Echokammer wurde zweifellos durch die großzügige Finanzierung Moskaus erleichtert, das bestrebt war, nach außen hin Einigkeit in allen wichtigen politischen Fragen zu demonstrieren. So erhielt die CPUSA zwischen 1958 und 1980 Subventionen in Höhe von 28 Millionen Dollar aus Moskau. Die jährlichen Zuschüsse stiegen in der Folgezeit Jahr für Jahr an und erreichten 1988 einen Stand von drei Millionen Dollar. (Das Geld wurde unter anderem für die Veröffentlichung der CPUSA-Zeitung People’s Daily Worldverwendet.)[71]

Zwischen 1950 und 1990 stellte Moskau der französischen kommunistischen Partei PCF direkte Subventionen in Höhe von 50 Millionen Dollar zur Verfügung. In den Jahren 1987 und 1988 versorgte es die PCF zudem mit kostenlosem Zeitungspapier für die Veröffentlichung ihres Organs L’Humanité und übernahm die Gehälter und Ausgaben des Moskauer Korrespondenten von L’Humanité.[72] Außerdem finanzierte es die Veröffentlichung der Parteizeitung der CPGB Morning Star – bis 1974 durch direkte Finanzspritzen und danach durch tägliche „Großbestellungen von Exemplaren“ aus Moskau.[73] Letzteres war eine typische Methode, mit der Moskau wohlgesonnene linksradikale Publikationen im Westen unterstützte. Da diese wiederum die einzigen der sowjetischen Leserschaft zugänglichen Zeitungen und Zeitschriften aus dem Ausland waren, verstärkte dieses System die Bildung eines Echokammer-Effekts bei sensiblen Themen.[74] Für westliche linke Publikationen war dieses Arrangement von entscheidender Bedeutung: Als Moskau 1989 plötzlich und mit nur einer Woche Vorankündigung den Bezug des Morning Star einstellte (zu diesem Zeitpunkt wurden täglich 6.000 Exemplare gekauft), verursachte dies „enorme finanzielle Einbußen.“[75]

Dass die Parteien sich als Bedingung für die Subventionen an die Vorgaben Moskaus zu halten hatten, geht aus der Erfahrung des langjährigen Generalsekretärs der CPUSA, Gus Hall, hervor, dessen Kritik an Gorbatschows Reformen dazu führte, dass Moskau seine Finanzhilfen von drei Millionen Dollar im Jahr 1988 auf null im Jahr 1989 reduzierte. (1989 stellte Moskau insgesamt noch 22 Millionen Dollar für 73 ausländische kommunistische Parteien, Arbeiterparteien und revolutionäre Gruppen bereit.[76]) Dies mag zur Erklärung beitragen, warum italienische Genossen sich so sich so eilig von dem 1966 erschienenen Buch zur sowjetischen Politik gegenüber Juden distanzierten: Da Moskau der PCI in diesem Jahr 5,7 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt hatte, galt es, die Sorgen des Geldgebers über den Beitrag eines hochrangigen jüdisch-italienischen Kommunisten zu einem „antisowjetischen“ Werk zu beschwichtigen.[77]

Zwei prominente Absolventen dieses von der Sowjetunion konzipierten und finanzierten Propagandasystems beeinflussen nach wie vor die gegenwärtige linke Politik, unter anderem im Themenbereich Zionismus und Israel. Eine davon ist Angela Davis, die von 1969 bis 1991 Mitglied der CPUSA war und nicht zuletzt dank sowjetischer Bemühungen zur Ikone wurde. (Nach Schätzungen der CIA widmete ihr Moskau 1971 etwa fünf Prozent seines Propagandaetats.[78]) Davis weigerte sich bekanntlich, sich für inhaftierte sowjetisch-jüdische Aktivisten einzusetzen, weil sie „zionistische Faschisten“ seien.[79] Wie der Autor Scott A. Shay festhält, vertritt Davis weiterhin verschwörungstheoretische antizionistische Ansichten, in denen der Zionismus als universelles Übel erscheint, gleichermaßen verantwortlich für die Probleme in Gaza wie für Polizeigewalt in Ferguson und Baltimore.[80]

Die zweite Figur ist Andrew Murray, der als Sonderpolitischer Berater von Jeremy Corbyn während der Jahre tätig war, in denen Corbyns Labour Party von einem massiven Antisemitismusskandal erschüttert wurde, in dem Antisemitismus oft als Antizionismus ausgegeben wurde. (Dieser Skandal führte schließlich zu Corbyns politischem Absturz.) Murray war seit 1976 fünfunddreißig Jahre lang Mitglied der CPGB und vertrat eine unbeirrbar pro-sowjetische Haltung. Während dieser Jahre schrieb er nicht nur für die von der Sowjetunion finanzierte Zeitung Morning Star, sondern arbeitete 1986 und 1987 auch direkt für Nowosti.[81] Seine sowjetisch geprägten, verschwörungstheoretischen antizionistischen Ansichten sind gut dokumentiert.[82]

Sowohl Moskau als auch die von ihm alimentierten westlichen Parteien bestritten die Existenz der finanziellen Unterstützung. Sie hätte, wäre sie allgemein publik geworden, den Anschein der Solidarität untergraben. Sie hätte zudem nicht wenig Empörung unter den zunehmend unzufriedenen Sowjetbürgern hervorrufen können, denen es schwer gefallen wäre zu verstehen, warum Moskau Hunderte Millionen Dollar für die Unterstützung revolutionärer Fantasien der westlichen Linken ausgab, während sie selbst, die bereits wussten, was nach der Revolution geschieht, in entwürdigender Armut und Unfreiheit lebten.

Den Zionismus neu definieren

Einer der nachhaltigsten Beiträge der sowjetischen antizionistischen Propaganda zum antiisraelischen Diskurs der westlichen Linken bestand darin, den Begriff Zionismus von seiner ursprünglichen Bedeutung zu entkoppeln. Es war die sowjetische Propaganda, die das entwickelte, was der britische Sozialist und Autor Steve Cohen als „transzendentalen“ Antizionismus bezeichnete – einen Antizionismus, der „alles Handeln des israelischen Staates transzendiert“ und bis heute die Weltanschauung eines Teils der zeitgenössischen Linken beherrscht. Diese Form des Antizionismus, so Cohen, könne „leicht ohne Israel, ohne Zion und sogar ohne Zionismus existieren. [...] Antizionismus ohne Zion hat dieselben transzendentalen Eigenschaften wie Antisemitismus ohne Juden; er steht in keiner notwendigen Beziehung zu dem, was ein wirklicher Zionist oder ein wirklicher Jude tut. Er existiert freischwebend, ganz losgelöst von jeder materiellen Realität – mit Ausnahme jener, die er für sich selbst schafft.“[83]

Obwohl sowjetische Funktionäre stets behaupteten, ihre antizionistische Position stehe im Einklang mit der Lenins, hatten sie in Wahrheit bis in die 1960er Jahre hinein die Bedeutung des Begriffs Zionismus radikal neu definiert. Der Wissenschaftler Łukasz Hirszowicz belegte dies, indem er die Entwicklung der Zionismusdefinitionen in sowjetischen Enzyklopädien und enzyklopädischen Wörterbüchern zwischen den 1920er und 1970er Jahren untersuchte.

Hirszowicz stellte fest, dass die frühen sowjetischen Definitionen zwar „tendenziös und unzulänglich“ waren, dem Leser aber dennoch helfen konnten, die eigentliche Bedeutung des Zionismus zu verstehen. Diese Definitionen wiesen darauf hin, dass der Zionismus als Reaktion auf den Antisemitismus entstanden war und dass er die (aus marxistisch-leninistischer Sicht irrige und schädliche) Auffassung vertrat, die Juden seien eine Nation. Sie waren „nicht besonders bösartig“ und enthielten auch keine Hinweise darauf, dass der Zionismus „rassistisch oder faschistisch“ sei. Entscheidend sei, so Hirszowicz, dass kein Leser der frühen Definitionen den Zionismus als „eine Kraft von universeller Bedeutung“ angesehen haben würde: Es wurde deutlich, dass seine Relevanz auf Juden, Palästina und den Nahen Osten beschränkt war.

Um die Mitte der 1960er Jahre begann sich dies zu ändern. Verweise auf den Zionismus als Antwort auf den Antisemitismus verschwanden ebenso wie die zionistische Sichtweise auf die Juden als Nation. Sowjetische Wörterbücher verbanden den Zionismus nun ausschließlich mit der jüdischen Bourgeoisie und stellten ihn als feindlich gegenüber den Interessen der Arbeiterklasse dar. Vor allem aber erhielt der Zionismus eine klare internationale und verschwörerische Dimension: Er wurde als „weitverzweigtes System von Organisationen“ beschrieben, das mit „imperialistischen Staaten“ und „monopolistischen Kreisen“ verbunden sei. Seine „spezifischen Ziele und Aktivitäten“ seien nun „global und regional – genau in dieser Reihenfolge“, schrieb Hirszowicz. In dieser Zeit kam die Vorstellung auf, dass es sich beim „internationalen Zionismus“ um ein ruchloses globales, der Sowjetunion feindlich gesinntes Netzwerk handele.

Diese späteren Einträge begannen zudem, dämonisierende Sprache zu verwenden, indem sie den „internationalen Zionismus“ als „Schockabteilung des Imperialismus, Kolonialismus und Neo-Kolonialismus“, als „essentiellen Verbündeten des Imperialismus in seinem globalen Kampf gegen die Weltbefreiungsbewegung“ und als „Gendarm des Imperialismus“ im Nahen Osten beschrieben. In den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen wurde dem Zionismus vorgeworfen, „subversive Aktivitäten gegen die Entspannungspolitik“ zu betreiben – mit anderen Worten: ein Friedensfeind zu sein. Der Zionismus sei „extremistisch in seinem Nationalismus, chauvinistisch und rassistisch“, verbündet mit „einer ganzen Reihe reaktionärer Kräfte, darunter Nazi-Deutschland und Italien.“ Zionisten würden „terroristische Methoden“ anwenden „und zu kriminellen Mitteln greifen, um Gelder zu beschaffen.“ Es handele sich um eine Ideologie, die „‚fortschrittliche Juden‘ als eine ‚Variante des Faschismus‘ ansahen.“[84]

Diese Entwicklung ist kaum überraschend: Einige der Einträge wurden von Zionologen verfasst, die genau diese Theorie einer internationalen zionistischen Verschwörung formuliert hatten. Die Aufnahme solcher Begriffe in offizielle Nachschlagewerke ist jedoch bedeutsam. Nicht, weil sie Trends in der öffentlichen Debatte gesetzt hätten – das taten sie nicht; darin war die Presse ihnen um Jahre voraus –, sondern weil, wie Hirszowicz anmerkte, sowjetische Nachschlagewerke gewaltige, von höchster Stelle organisierte Unternehmungen waren. Sie mussten von unzähligen staatlich ernannten Wissenschaftlern, Funktionären und Zensoren genehmigt werden. Die Aufnahme von verschwörungsmythologischer und diffamierender antizionistischer Sprache in diese Bände deutete daher auf offizielle Zustimmung hin. Während also jene, die glauben wollten, dass es in der UdSSR keinen Antisemitismus gebe, behaupten konnten, der antisemitische Artikel, der den Prozess in Paris ausgelöst hatte, sei das Ergebnis einer individuellen redaktionellen Nachlässigkeit gewesen, konnten sie Ähnliches über einen Eintrag in der Großen Sowjetischen Enzyklopädie nicht sagen.

Antizionismus als politisches Instrument

Der verschwörungstheoretische, „transzendentale“ Antizionismus sowjetischer Prägung erwuchs aus den spezifischen Herausforderungen, denen sich die sowjetische Führung im In- und Ausland gegenübersah. Der Kalte Krieg, der sich verschärfende Wettbewerb im Nahen Osten, der Kampf um die Loyalität der Entwicklungsländer, die wachsende jüdische Nationalbewegung im Inland und die Bewegung der sowjetischen Juden im Ausland: Diese Herausforderungen traten nahezu zeitgleich auf und erforderten rasche Lösungen und gezielte Propagandamaßnahmen.

Der verschwörungstheoretische Antizionismus erwies sich als vielseitig nutzbares Propagandawerkzeug, mit dem all diese Probleme gleichzeitig adressiert werden konnten. Seine geschickte Konstruktion ermöglichte es den Behörden, zu leugnen, dass es antisemitisch war. Bei genauer Betrachtung der sowjetischen Propaganda zeigte sich nämlich, dass nur solche Juden und jüdischen Institutionen dämonisiert wurden, die als feindlich gegenüber der sozialistischen Vision galten: religiöse, kapitalistische und nationalistische. Die Dämonisierung politischer Gegner war ein wesentlicher Bestandteil der sowjetischen politischen Kultur. Wenn Kapitalismus, Nationalismus und Religion als Ganzes auf der Abschussliste standen, warum sollte man dann nicht auch ihre spezifischen jüdischen Varianten angreifen dürfen?

Die Antwort lautet selbstverständlich: Die Dämonisierung der Juden hat eine derart lange historische Tradition, dass die Dämonisierung einiger Juden sofort Tür und Tor für die Dämonisierung des gesamten Volkes öffnet. Darüber hinaus dient sie als Dog Whistle für Antisemiten. Nicht zufällig waren es Mitglieder der antisemitischen, rechten russisch-nationalistischen Bewegung, die mit solchem Eifer auf den Bedarf der Obrigkeiten, eine propagandistische Waffe gegen Zionisten und Israel zu entwickeln, reagierten.

Obwohl die Sowjets nach außen hin stets bestritten, dass ihre Propaganda antisemitisch sei, existierte intern durchaus ein Bewusstsein für dieses Problem. Innerhalb der Akademie der Wissenschaften protestierten gemäßigte Kritiker des Zionismus gegen die Veröffentlichungen der Zionologen, die sie als Sakrileg gegenüber der Wissenschaft ansahen. 1976 organisierte das Institut für Orientalistik – eine Schlüsselfigur in der Entwicklung und Legitimierung der sowjetischen antizionistischen Propaganda – eine interne Konferenz, um die heikle Frage des Antizionismus versus Antisemitismus zu klären. Auf der Konferenz attackierten die gemäßigten Antizionisten die Extremisten. (Als eine der Radikalen aufstand, um ihren Kollegen aus der Zionologie zu verteidigen, indem sie auf den heldenhaften Tod seines Vaters im Zweiten Weltkrieg verwies, spottete jemand aus dem Publikum: „Waren es die Zionisten, die ihn getötet haben?“)[85]

Auch innerhalb der sowjetischen Führung waren sich manche bewusst, dass die Kampagne den ursprünglichen internationalistischen Prinzipien Lenins zuwiderlief. Hinter den Kulissen entbrannte ein Machtkampf zwischen den konservativen Unterstützern der Zionologen in Partei und Sicherheitsdiensten einerseits und ihren Gegnern andererseits. Mit der Zeit verloren einige Zionologen ihre Stellungen und hatten sogar Schwierigkeiten bei der Veröffentlichung ihrer extremsten Arbeiten. Das Zentralkomitee widersetzte sich den anhaltenden Forderungen der Zionologen, die antizionistische Propaganda weiter zu verschärfen, wohl wissend – und aus Furcht davor –, dass dies zu Pogromen führen könnte.[86] (Die Zionologen wiederum erklärten die Zurückhaltung der Behörden damit, dass sie die tatsächlichen und vermeintlichen jüdischen Ehefrauen mehrerer hochrangiger Kreml-Beamter dafür verantwortlich machten, die ihrer Überzeugung nach als Vehikel für den zionistischen Einfluss auf ihre Ehemänner fungierten.)

Und dennoch wurde die antizionistische Kampagne der Sowjets unbeirrt fortgeführt. Für ihre Fortsetzung gab es sicherlich komplexe Gründe, einer davon war jedoch zweifellos die Tatsache, dass sich der verschwörungstheoretische Antizionismus als ein zu nützliches Instrument erwiesen hatte, um darauf zu verzichten. Er half Moskau, seine Beziehungen sowohl zu seinen arabischen Verbündeten als auch zur gesamten extremen Linken im Westen zu festigen. Nachdem der Zionismus zum Sündenbock für die größten Übel der Menschheit erklärt worden war, konnte die sowjetische Propaganda in afrikanischen Radiosendungen durch seine Gleichsetzung mit Rassismus und im Kiewer Fernsehen durch seine Gleichsetzung mit ukrainischem Nationalismus punkten. Gegenseitige Zufriedenheit und guter Wille waren garantiert, wenn sowjetische Spitzenfunktionäre gemeinsame Kommuniqués mit führenden Politikern aus der Dritten Welt unterzeichneten, die mit den üblichen Verurteilungen von „Imperialismus, Zionismus und Weltreaktion“ endeten.

Der verschwörungstheoretische Antizionismus, den die Linke aus der sowjetischen Propaganda übernahm, erweist sich nach wie vor als äußerst wirksames politisches Instrument. In ihrer Analyse der Durbaner Konferenz wies Anne Bayefsky auf die politische Dimension des Antisemitismus hin, die bei dieser Veranstaltung zutage trat: „Es waren ein und dieselben Staaten, die versuchten, Verweise auf den Holocaust zu minimieren oder exkludieren und Antisemitismus neu zu definieren oder zu ignorieren, die zugleich darauf abzielten, den Staat Israel als rassistisches Apartheidsunterfangen und Verbrecher gegen die Menschlichkeit von der Weltgemeinschaft zu isolieren. [...] Erfolg auf dem politischen Schlachtfeld sollte mithilfe der Sprache der Menschenrechte erreicht werden, um den Gegner zu dämonisieren und dann zu demontieren.“[87]

Die verschwörungstheoretische Rhetorik des Antizionismus hilft heutigen Progressiven, wichtige politische Allianzen zu schmieden und Spenden zu sammeln. Sie trägt dazu bei, die Illusion einer gerechten Sache zu schaffen und Wählerstimmen zu gewinnen. „Verschwörungstheoretiker sind in erster Linie Propagandisten“, so der Philosoph Quassim Cassam, der Verschwörungstheorien erforscht. Ihre Theorien seien „eher politisch als evidenzbasiert.“[88] Wie klassische antisemitische Verschwörungstheorien bieten auch antizionistische Verschwörungstheorien verführerisch einfache Erklärungen für das Weltgeschehen und vermitteln so den trügerischen Eindruck von Klarheit, wo in Wirklichkeit keine zu finden ist.

Die extreme Linke trifft auf die extreme Rechte

Der propagandistische, verschwörungstheoretische Antizionismus, der unter der Mainstream-Linken an Einfluss gewinnt, stellt eine ernsthafte Gefahr dar. In Confronting Antisemitism on the Left warnt der sozialistische Aktivist Randall, dass „die aktuellen Träger“ dieser Ideen „verschwörungstheoretische Denkformen verfestigen, die die Linke ideologisch behindern und zur Ineffektivität verurteilen, auch wenn es darum geht, den zunehmenden Antisemitismus der extremen Rechten zu bekämpfen.“[89]

Das ist eine scharfsinnige Beobachtung. Aber ich glaube, dass die Lage sogar noch ernster ist. Indem sie sich unter dem Banner des verschwörungstheoretischen Antizionismus versammelt, legitimiert und ermächtigt die Linke tatsächlich die extremistische Rechte. Die Genealogie des verschwörungstheoretischen Antizionismus, die auf antisemitische Verschwörungstheorien des 20. Jahrhunderts zurückgeht, zeigt, dass dieser Antizionismus denselben Keim antijüdischer Gewalt in sich trägt, der die Pogrome, durch die vier Millionen Juden aus dem Russischen Reich vertrieben wurden, und den Völkermord der Nazis hervorgebracht hat. Von Durban bis zu den antijüdischen Angriffen, die im Mai 2021 in amerikanischen und europäischen Städten verübt wurden – der Zusammenhang zwischen der verschwörungstheoretischen Dämonisierung des Zionismus und der physischen Gefahr für Juden ist offensichtlich.

Beunruhigenderweise ist der verschwörungstheoretische Antizionismus, der von den Sowjets in der globalen Linken verbreitet wurde, auch dafür bekannt, seine Anhänger in Richtung Rechtsextremismus zu radikalisieren. Der Politikwissenschaftler Andreas Umland erzählt eine besorgniserregende Geschichte über Aleksandr Barkaschow, einen prominenten russischen Neonazi und Bewunderer Hitlers. Barkaschow radikalisierte sich während seines Militärdienstes von 1972 bis 1974, nachdem er sich „einem speziell entwickelten Verfahren zur Gehirnwäsche“ unterzogen hatte, bei dem sowjetische antizionistische Literatur „eine bedeutende Rolle spielte.“ Das Verfahren wurde in der Erwartung angewendet, dass er im Nahen Osten eingesetzt werden würde, um Ägypten in seinem Krieg gegen Israel zu unterstützen. Auch wenn es nicht so weit kam, sollte ihm das Wissen, dass er sich während der Vorbereitung auf den Kampf angeeignet hatte, für den Rest seines Lebens von Nutzen sein. Nach seiner Zeit bei der Armee gründete Barkaschow einen Karateverein, der zum Kern seiner zukünftigen russischen Neonazi-Partei wurde. Um die Mitglieder zu schulen, versorgte er sie mit antizionistischen Publikationen aus der Sowjetunion.[90]

Heute werden die Schriften sowjetischer Zionologen von rechten russischen Verlagen, die auch antisemitische Klassiker vertreiben, neu aufgelegt. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR sahen einige sowjetische Autoren keine Notwendigkeit mehr darin, ihre antisemitischen Ansichten zu verbergen. Andere hingegen verliehen ihren Büchern einen „antizionistischen“ Anstrich und fügten ihnen Einleitungen hinzu, in denen sie bestritten, antisemitisch zu sein.[91]Dieselbe sowjetische antizionistische Literatur, deren Ideen weiterhin den linken Diskurs durchdringen, wird nun zur Indoktrinierung einer neuen Generation russischer Neonazis genutzt. Diese wiederum beeinflussen die tödliche transnationale Bewegung weißer Nationalisten. Als im Jahr 2001 David Duke, einer der einflussreichsten Vertreter dieser Bewegung, Russland besuchte, äußerte er die Ansicht, dass Russland zur Lösung der „Krise der weißen Welt“ beitragen könne – unter anderem, weil „die Russen die Macht des internationalen Zionismus besser kennen als die Westler.“[92]

Es ist anzunehmen, dass sowjetische antizionistische Materialien inzwischen unter westlichen Neonazis zirkulieren. So konnte ich beispielsweise sehen, wie ein sowjetischer Film, den der KGB 1973 im Rahmen seiner antizionistischen Kampagne in Auftrag gegeben und schließlich wegen seines offen antisemitischen Gehalts verboten hatte, im Internet auftaucht, komplett mit englischen Untertiteln und einer englischsprachigen Einleitung. Darin wurde bedauert, dass die sowjetischen Machthaber nicht genug Mut gehabt hätten, das Böse der jüdisch-zionistischen Verschwörung, die der Film darstellte, auszumerzen. Ich habe auch Iwanows Beware: Zionism! gesehen, offenbar abgetippt von der englischen Originalübersetzung und als PDF-Datei auf einer verdächtig aussehenden, anonymen Website zur Verfügung gestellt.[93] Angesichts der wachsenden Bedeutung der russischen extremen Rechten innerhalb des transnationalen Extremismus ist es sehr wahrscheinlich, dass das von den sowjetischen Antizionisten erworbenen „Wissen“ inzwischen an andere weitergegeben wurde.[94] Dies macht die wohlwollende Haltung verständlich, mit der die neonazistische Rechte die verschwörungstheoretische antizionistische Linke begrüßt hat. So hat beispielsweise Duke sowohl Ilhan Omar als auch Jeremy Corbyn für ihre antiisraelische Haltung gelobt.[95] Steven Cohen beschrieb eine peinliche und aufschlussreiche Episode aus den 1980er Jahren, in der der Socialist Worker, das Organ der britischen linksextremen Socialist Workers Party, den Brief eines Mitorganisators der faschistischen National Front veröffentlichte, weil sie nicht in der Lage waren, dessen antizionistische Tiraden von denen ihrer linken Genossen zu unterscheiden.[96]

Diese Geschichte führt deutlich das enorme moralische Problem vor Augen, mit dem diejenigen auf der extremen Linken, die den verschwörungstheoretischen Antizionismus übernehmen und verbreiten, konfrontiert sind. Einflussreiche Akteure innerhalb dieser Strömung haben ihre politische Zukunft, ihre Finanzierung und ihr soziales Kapital auf Ideen gesetzt, deren ideologische Wurzeln bis zum spätsowjetischen KGB, Stalin, Hitler und den russischen Pogromisten zurückreichen. Er beinhaltet dieselbe verschwörungstheoretische Weltsicht, Erklärungslogik und die antisemitischen Motive, die auch die Protokolle der Weisen von Zion und Mein Kampf charakterisieren. Diese Tropen verlieren ihre antisemitische Stoßrichtung nicht dadurch, dass ihre Verfechter behaupten, sie seien nicht antisemitisch, sondern lediglich antizionistisch.

Wie ihre sowjetischen Vorgänger könnten sich auch die radikalsten Teile der Linken als unwillig erweisen, die unmittelbaren – und illusorischen – politischen Vorteile dieser tödlichen Philosophie aufzugeben. Aber der Rest der Linken ist nicht verpflichtet, diesen Randgruppen zu folgen. Er kann sich von diesem mörderischen Erbe lossagen. Die mit Hilfe von Antisemitismus errungenen politischen Siege sind moralisch korrumpiert und nicht wert, gewonnen zu werden. Eine Abkehr vom verschwörungstheoretischen Antizionismus bedeutet übrigens nicht, auf die Opposition gegen die Politik der israelischen Regierung und den Zionismus zu verzichten. Allerdings bedeutet sie ein Bekenntnis zum Konzept der Kritik statt zur Dämonisierung. Sie bedeutet, sich mit der komplexen Realität vor Ort in Israel auseinanderzusetzen, anstatt sich einfacher verschwörungstheoretischer Erklärungen zu bedienen. Und sie bedeutet zu lernen, realitätsbasierte Argumente zu verwenden, statt solche, die auf Verschwörungstheorien beruhen. An Material, das den Weg vorgibt, mangelt es nicht. Alles, was erforderlich ist, sind Mut und politischer Wille.

(Zuerst in englischer Sprache erschienen in: Journal of Contemporary Antisemitism, Vol. 5, No. 1/Spring 2022. Übersetzt von Robin Forstenhäusler)

Fußnoten

[1] Anne Bayefsky (2002), „The UN World Conference against Racism: A Racist Anti-Racism Conference“, in: Proceedings of the ASIL Annual Meeting 96, S. 67.

[2] Alan Rosenbaum (2021), „Learning Lessons from the Antisemitic Durban Conference“, in: The Jerusalem Post, 01.07.2021, www.jpost.com/diaspora/antisemitism/learning-lessons-from-the-antisemitic-durban-conference-672583.

[3] Joëlle Fiss (2008), The Durban Diaries: What Really Happened at the UN Conference against Racism, New York/Brüssel, S. 3. Über die Absage der Sitzung zur Holocaustrevision: ebd., S. 23. Zu Bodyguards: ebd., S. 29.

[4] Farah Stockman (2018), „Women’s March Roiled by Accusations of Antisemitism“, in: New York Times, 23.12.2018, www.nytimes.com/2018/12/23/us/womens-march-anti-semitism.html.

[5] N. N. (2020), „Labour Suspends Jeremy Corbyn over Reaction of Antisemitism Report“, in: BBC, 29.10.2020, www.bbc. com/news/uk-politics-54730425.

[6] Karen Zraick (2019), „Ilhan Omar’s Latest Remarks on Israel Draw Criticism“, in: New York Times, 01.03.2019, www. nytimes.com/2019/03/01/us/politics/ilhan-omar-israel.html.

[7] Ron Kampeas (2019), „Freshman Rep Ilhan Omar says AIPAC Pays Politicians to be Pro-Israel“, in: Jewish Telegraphic Agency, 10.02.2019, www.jta.org/quick-reads/ilhan-omar-says-aipac-pays-politicians-to-be-pro-israel.

[8] 8 N. N. (2019), „Ilhan Omar defends 2012 Tweet Accusing Israel of ‚Hypnotizing the World‘“, in: The Times of Israel, 17.01.2019, www.timesofisrael.com/rep-ilhan-omar-defends-2012-tweet-accusing-israel-of-hypnotizing-the-world.

[9] Ron Kampeas (2021), „Environmental Group Quits Democracy Rally Because ‚Zionist‘ Groups Are Present“, in: Jewish Telegraphic Agency, 20.10.2021, www.jta.org/2021/10/20/politics/environmental-group-quits-democracyrally-because-zionist-groups-are-present.

[10] Aaron Bandler (2021), „CAIR SF Head Says ‚Zionist Organizations‘ Are the Enemy, Warns of ‚Zionist Synagogues‘“, in: The Jewish Journal, 08.12.2021, jewishjournal.com/news/343182/cair-sf-head-says-zionist-organizations-are-the-enemy-warns-of-zionist-synagogues.

[11] Für einen Überblick über die sowjetischen antizionistischen Kampagnen von 1967 bis 1988 vgl. Izabella Tabarovsky (2019), „Soviet Antizionism and Contemporary Left Antisemitism“, in: Fathom, 5/2019, fathomjournal.org/soviet-anti-zionism-and-contemporary-left-antisemitism; dies. (2019), „Understanding the Real Origin of that New York Times Cartoon“, in: Tablet, 06.06.2019, www.tabletmag.com/sections/arts-letters/articles/soviet-anti-semitic-cartoons.

[12] Michael Billig (1987), „Anti-Semitic Themes and the British Far Left: Some Social-Psychological Observations on Indirect Aspects of the Conspiracy Tradition“, in: . C. F. Graumann/S. Moscovici (Hg.), Changing Conceptions of Conspiracy, New York, S. 115–136.

[13] Jovan Byford (2011), Conspiracy Theories: A Critical Introduction, London/New York, S. 62–65.

[14] Steve Cohen (2005), That’s Funny, You Don’t Look Antisemitic: An Anti-Racist Analysis of Left Antisemitism, o. O., S. ix, engageonline.wordpress.com/thats-funny-you-dont-look-antisemitic-steve-cohen/.

[15] Ebd., S. 32, 38–39.

[16] Daniel Randall (2021), Confronting Antisemitism on the Left: Arguments for Socialists, London, S. 76–116.

[17] Seth Mandel (2021), „The Jews Who Are Complicit in Jew Hatred“, in: Commentary, 08.2021, www.commentary.org/articles/seth-mandel/jews-complicit-in-jew-hatred.

[18] Nan Robertson (1973), „Paris Court Rules Reds Defamed Jews“, in: New York Times, 25.04.1973, www.nytimes.com/1973/04/25/archives/paris-court-rules-reds-defamed-jews-defense-plea-rejected.html.

[19] N. N. (1994), „Jacob Kaplan; A French Grand Rabbi, 99“, in: New York Times, 08.12.1994, www.nytimes.com/1994/12/08/obituaries/jacob-kaplan-a-french-grand-rabbi-99.html.

[20] Ein kürzlich erschienenes Buch bestreitet, dass die Ereignisse in Deir Yassin 1948 als Massaker an Zivilisten zu bezeichnen sind. Eliezer Tauber (2021), A Massacre That Never Was, Jerusalem.

[21] Emanuel Litvinoff (1974), Soviet Antisemitism: The Paris Trial, London, S. 16–18.

[22] Ebd., S. 18–21.

[23] N. N., „René Cassin: Facts“, in: Nobel Prize, www.nobelprize.org/prizes/peace/1968/cassin/facts.

[24] Litvinoff, Soviet Antisemitism, S. 67–71; Gennadij Kostyrtschenko (2019), Tajnaja politika. Ot Breschnewa do Gorbatschjowa. Tschast’ 1: Wlast’ – Jewrejskij wopros, intelligenzija, Moskau, S. 500.

[25] Litvinoff, Soviet Antisemitism, S. 22, 70.

[26] Mendel Beilis (2011), Blood Libel: The Life and Memory of Mendel Beilis, Chicago.

[27] Grigorij Svirskij, „Choschdenije w schtrafniki. Parischskij tribunal. O moich duschewnych drus’jach – edinomyslach“, in: Shtrafniki, shtrafniki.narod.ru/svirski-frames.files/tribunal.html.

[28] Litvinoff, Soviet Antisemitism, S. 100–102, 116.

[29] Ebd., S. 115.

[30] Ruth Okuneva (1984), „Antisemitic Notions: Strange Analogies“ in: T. Freedman (Hg.), Anti-Semitism in the Soviet Union: Its Roots and Consequences, New York, S. 266–381.

[31] Nikolaj Mitrochin (2003), Russkaja partija. Dwischenije russkich nacionalistow w SSSR, 1953–1985 gody, Moskau.

[32] Kostyrtschenko, Tajnaja politika, S. 501.

[33] Jewgenij Jewsejew (1971), Faschism pod goluboj swesdoj, Moskau.

[34] Kostyrtschenko, Tajnaja politika, S. 537; Nikolaj Dolgopolow (2014), „Raswedtschiza Jelena Modrschinskaja snala: Nemzy napadut 22. ijunja“, in: Wetschernjaja Moskwa, 21.06.2014, vm.ru/society/193689-razvedchica-elena-modrzhinskayaznala-nemcy-napadut-22-iyunya; zu Modrschinskajas Beteiligung an der Cambridge-Five-Affäre siehe Nigel West/Oleg Tsarev (2009)(Hg.), Triplex: More Secrets from the Cambridge Spies, New Haven, Teil IV, Kap. 39.

[35] Jelena Modrschinskaja/Wladimir Lapskij (1983), Jad sionizma, Moskau.

[36] Zu Jewsejews Werdegang: Kostyrtschenko, Tajnaja politika, S. 527–538. Über Jewsejews Mitgliedschaft in der Sowjetisch-Palästinensischen Gesellschaft: ebd., S. 537.

[37] Ebd., S. 501.

[38] Während sowjetische Propaganda die falsche Gleichsetzung von Zionismus und Nationalsozialismus zu einem Eckpfeiler des antizionistischen Diskurses der westlichen Linken werden ließ, zeigt Robert S. Wistrich, dass diese Gleichsetzung ursprünglich vom britischen Außenministerium während der Zeit des britischen Mandats in Palästina ausging. Siehe Robert S. Wistrich (2010), A Lethal Obsession: Antisemitism from Antiquity to the Global Jihad, New York, Kap. 10. Die Autorin dankt Lesley Klaff, Herausgeberin des Journal of Contemporary Antisemitism, für diesen Hinweis.

[39] Mitrochin, Russkaja partija, S. 404.

[40] Kostyrtschenko, Tajnaja politika, S. 527–538.

[41] Mitrochin, Russkaja partija, S. 406.

[42] Kostyrtschenko, Tajnaja politika, S. 537.

[43] Emanuel Litvinoff (1968), „Soviet Antizionism or Antisemitism?“, in: Soviet Jewish Affairs 3(4), S. 12. Zu van Leers Leitung von Nassers Institut für Zionismusforschung siehe Kevin Coogans Audio-Interview mit Dave Emory (2002),  „For the Record“, in: Spitfirelist, 05.08.2002, spitfirelist.com/for-the-record/ftr-371-interview-with-kevin-coogan/.

[44] Kostyrtschenko, Tajnaja politika, S. 530.

[45] Ebd., S. 516f.

[46] Mitrochin, Russkaja partija, S. 405.

[47] Wladimir Bolschakow (2014), Golubaja swesda protiw krasnoj. Kak sionisty stali mogilschtschikami kommunizma, Moskau, S. 336f.

[48] Kostyrtschenko, Tajnaja politika, S. 517. Zu „Itzologe“: Bolschakow, Golubaja swesda, S. 336.

[49] Wiktor Schnirelman (2012), Russkoje Rodnoewerije. Neojazytschestwo i nacionalism w sowremennoj Rossii, o. O., S. 153.

[50] Ebd.

[51] Kostyrtschenko, Tajnaja politika, S. 539.

[52] Ebd.

[53] Mitrochin, Russkaja partija, S. 404.

[54] Kostyrtschenko, Tajnaja politika, S. 525.

[55] 55 Baruch A. Hazan (2000 [1976]), Soviet Propaganda: A Case Study of the Middle East Conflict, Abingdon, S. 49.

[56] Die New York Times berichtet, dass diese Broschüre von einer anderen sowjetischen Nachrichtenagentur, TASS, „weit verbreitet“ wurde: Hedrick Smith (1972), „Soviet Steps Up Criticism of Israeli Life“, in: New York Times, 28.01.1972, www.nytimes.com/1972/01/28/archives/soviet-steps-up-criticism-of-israeli-life.html.

[57] Izabella Tabarovsky (2020), „Hijacking History“, in: Tablet, 24.12.2020, www.tabletmag.com/sections/history/ articles/tabarovsky-leningrad-hijacking-history-soviet-jews.

[58] N. N., (1971), „Sovetish Heimland Editor Says Trials Secret to Prevent Antisemitic Stirrings“, in: JTA Daily News Bulletin, 08.01.1971, pdfs.jta.org/1971/1971-01-08_005.pdf?_ga=2.158240185.288052354.1643188497-111540297.1607076895

[59] N. N. (1971), „WJCongress Challenges Vergelis’ Statement on Soviet Jewry“, in: JTA Daily News Bulletin, 12.01.1971, pdfs.jta.org/1971/1971-01-12_007.pdf?_ga=2.211822999.288052354.1643188497-111540297.1607076895.

[60] N. N. (1971), Soviet Jews Reject Zionist Protection: Nowosti Press Agency Roundtable, Discussion, February 5, 1971; Aron Vergelis (1972), Letters from Europe (January–March 1971), Moskau.

[61] Spartak Beglow (1971), „A Soviet View on Jews“, in: New York Times, 23.01.1971, timesmachine.nytimes.com/ timesmachine/1971/01/22/83200763.html?pageNumber=39.

[62] Kostyrtschenko, Tajnaja politika, S. 492–497.

[63] Ronen Bergman (2016), „The KGB’s Middle East Files: The Fight against Zionism and World Jewry“, in: Ynet Magazine, 12.01.2016, www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4886594,00.html.

[64] Trofim Kitschko (1963), Judaizm bes prikras, Lwiw.

[65] Boris Morosow (1999), Documents on Soviet Jewish Immigration, London, S. 58f.

[66] Ebd., S. 89–93.

[67] Ebd., S. 125f., 230.

[68] Hyman Lumer (1964), „Soviet Antisemitism“: A Cold War Myth, New York, www.marxists.org/subject/jewish/lumer-soviet-anti-semitism.pdf.

[69] 69 Hyman Lumer/Meir Vilner (1975), Zionism: Is It Racist? Two Statements on the UN Resolution, New York, www.marxists.org/subject/jewish/zionism-racist.pdf. Lumers Beitrag ist eine Wiederveröffentlichung seines Artikels im Daily World Magazinevom 29. November 1975.

[70] Der 1974 erschienene Sammelband Against Zionism and Israeli Aggression enthielt ein Kapitel von Lumer mit dem Titel „The Reactionary Role of Zionism“. Der 1980 erschienene Band Zionism: Truth and Fiction enthielt eine gekürzte Fassung seiner Broschüre Israel Today: War or Peace?

[71] Harvey Klehr/Jon Earl Haynes/Kyrill M. Anderson (1998), The Soviet World of American Communism, New Haven, Abschnitt „Fifty Years of Soviet Subsidies“.

[72] Victor Loupan/Pierre Lorrain (1994), L’argent de Moscou: L’histoire la plus secrete du PCF, Paris, S. 231–234.

[73] Martin Deeson (2005), „Still Flying the Red Flag“, in: Independent, 23.05.2005, www.independent.co.uk/news/media/ still-flying-the-red-flag-491723.html.

[74] Loupan/Lorrain, L’argent de Moscou.

[75] Deeson, „Still Flying the Red Flag“.

[76] Klehr/Haynes/Anderson, The Soviet World.

[77] Loupan/Lorrain, L’argent de Moscou, S. 212.

[78] Beatrice de Graaf (2011), Evaluating Counterterrorism Performance: A Comparative Study, Abingdon, Fn. 41.

[79] Jonathan S. Tobin(2019) , „Opposing Honors for Angela Davis Isn’t Racist“, in: National Review, 11.01.2019, www. nationalreview.com/2019/01/opposing-honors-for-angela-davis-isnt-racist/.

[80] Scott A. Shay (2021), Conspiracy U: A Case Study, New York/Nashville, S. 45, 81–83.

[81] Lucy Fisher (2017), „Ex-Communist Who Defended Stalin Will Lead Corbyn’s Team“, in: Times of London, 16.05.2017, www.thetimes.co.uk/article/ex-communist-who-defended-stalin-will-lead-corbyns-team-h5wxqgq0l.

[82] Daniel Sugarman (2017), „Corbyn Appoints Anti-Israel Activist Andrew Murray as Campaign Chief“, in: Jewish Chronicle, 15.05.2017, www.thejc.com/news/uk/corbyn-appoints-anti-israel-activist-andrew-murray-as-campaign-chief-1.438501.

[83] Cohen, That’s Funny, You Don’t Look Antisemitic, S. 41.

[84] Łukasz Hirszowicz (1979), „Soviet Perceptions of Zionism“, in: Soviet Jewish Affairs 9(1), S. 53–65.

[85] E. L. Solmar (1978), „Protocols of Anti-Zionists“, in: Soviet Jewish Affairs 8(2), S. 57–66.

[86] Kostyrtschenko, Tajnaja politika, S. 525.

[87] Bayefsky, „The UN World Conference against Racism“, S. 72.

[88] Quassim Cassam (2019), Conspiracy Theories, Cambridge, S. 89.

[89] Randall, Confronting Antisemitism on the Left, S. 210.

[90] Andreas Umland, „Soviet Antisemitism after Stalin“, in: East European Jewish Affairs 29(1–2), S. 159–168, 164.

[91] So wurde beispielsweise der zutiefst antisemitische Roman Tlja von Iwan Schewzow in der postsowjetischen Ära mit dem Untertitel „Ein antizionistischer Roman“ neu aufgelegt. Schewzow, Iwan (2014), Tlja. Antisionistskij roman, Moskau.

[92] N. N., „David Duke in Russia“, in: ADL, web.archive.org/web/20131231155744/http://archive.adl.org/anti_semitism/duke_russia.html#.UsLpe-rP02w.

[93] Offensichtlich wurde die Übersetzung von jemandem abgetippt, der kein Russisch sprach, denn wer auch immer sie geschrieben hatte, ließ die kyrillischen Verweise in den Endnoten weg. Nachdem ich in einem meiner Artikel auf die Website verlinkt hatte, verschwanden sowohl die Website als auch das Buch. Ich habe das Buch in meinem persönlichen Archiv.

[94] Elizabeth Grimm Arsenault/Joseph Stabile (2020), „Confronting Russia’s Role in Transnational White Supremacy Extremism“, in: Just Security, 06.02.2020, www.justsecurity.org/68420/confronting-russias-role-in-transnational-white-supremacist-extremism/.

[95] TOI staff (2018), „Corbyn Praised by Former KKK Grand Wizard and Ex-Leader of Far-Right BNP“, in: Times of Israel, 24.08.2018, www.timesofisrael.com/corbyn-praised-by-former-kkk-grand-wizard-and-ex-leader-of-far-right-bnp/; Victor Morton (2019), „David Duke Praises Rep. Ilhan Omar“, in: AP News, 07.03.2019, apnews.com/article/race-and-ethnicity-racial-injustice-david-duke-a97b8b2d48c163c5965c2574ccbbe3d3.

[96] Cohen, That’s Funny, You Don’t Look Antisemitic, S. 37.


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