Text/Vortrag im Archiv für kritische Gesellschaftstheorie
Der Beitrag rekonstruiert die Kontroverse um Kontinuität und Diskontinuität der Judenfeindschaft und unterbreitet einen eigenen, vermittelnden Vorschlag. Nach einer Einführung in zentrale Begriffe und Typologien werden in einem ersten Schritt Argumente für eine starke Kontinuitätsthese präsentiert: Zum einen sind die gängigen Abgrenzungskriterien der Diskontinuitätsthese – religiöser vs. säkularer Hass, Konversionsoption vs. Rassenlehre, Schutz jüdischen Lebens vs. Vernichtungstendenz – nur bedingt über-zeugend, zum anderen greifen die psychischen Kernmechanismen der Judenfeindschaft – Projektion, Verschiebung, Identifikation – bereits in vormodernen Gesellschaften. In einem zweiten Schritt plädiert der Text für eine Differenzierung des Kontinuitätsmodells: Anhand tiefgreifender sozioökonomischer Umbrüche wie der Kommerziellen Revolution (im langen 13. Jahrhundert) und der bürgerlich kapitalistischen Transformation (19. Jahrhundert) wird gezeigt, wie alte Motive in Krisenzeiten transformiert und zu hochgradig virulenten Feindbildern verdichtet werden.
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